Das muss sie sein, die Ruhe vor dem Sturm. Mit dem aufgebauten Zelt im Rücken sitzen wir in einer Runde von Bloggern in tropischer Schwüle nahe dem Bebelplatz und lauschen brav einer unglaublich langweiligen Unternehmenspräsentation. Ich frage mich, ob die auf halb 12 hängenden Augen mit den Inhalten auf dem Screen zu tun haben oder mit der ganz cleveren Version einer Pre-Selbstkonservation am Vorabend der Mercedes-Benz Fashion Week. Erfahrungswerte lassen uns scheinbar als eine Art biologischen Reflex den Energiehaushalt solange im Sicherheitsbereich verwahren, bis externe Faktoren ihr Übriges zum jedes Mal einkehrenden Erschüttern der comfort zone beitragen.
So prustete heute morgen meine liebste Kollegin ein „Ach, ich wünschte es wäre alles schon vorbei und wir hätten Sonntag“, und ich versuche die kurzzeitig verloren gegangene Motivation zurück zu holen: „Nein, es wird ganz hervorragend“. Nach fünf Modewochen in der Hauptstadt ist die Phase der Generalproben vorbei, und es ist langsam an der Zeit für den noch nie näher gefühlten Showdown. Trotz überquellendem Schauenplan und begleitendem Event-Orchester haben die kommenden Tage doch jedes Mal Ähnlichkeit mit dem Sommerfest zu Schulzeiten, erweitert um ein paar diffizile Dimensionen. Das Schallen der Sektgläser schon im Ohr, die nichtssagenden Gesichter der Sorter schon unfreiwillig eingeprägt und die apfelförmigen Hintern der Models als Inbegriff der Schönheit verstanden, erwischt mich letztendlich doch ein Funken Heimatgefühl. Berlin, you can do it! Give it a go!

