Volle Wirkung trotz leerer Blicke

KAI KUHNE Berlin SS10 07-04-09

Die letzte Show im Zelt am Bebelplatz hätte auch die beste sein können – wenn nicht auch Kai Kühne von einem Virus befallen gewesen wäre, das in Berlin besonders virulent zu wirken scheint: der Inszenierungskrankheit. Dabei sollte man sich doch gerade dann einfach nur auf das Zeigen von Mode konzentrieren können, wenn man so dermaßen konzentriert Mode zu zeigen hat wie Kühne.
Stattdessen wurden den Models nicht nur blindmachende Kontaktlinsen eingesetzt, um den Blick als menschlichstes Regungsmerkmal auszulöschen, sondern auch noch ein, ja, was eigentlich, jedenfalls irgendein dem menschlichen Bewegungsapparat widerstrebender Gang antrainiert. Der weckte zwar leise Menschmaschinen-Assoziationen von Metropolis bis Kraftwerk, bedeutete aber leider für einige der Mädchen eine motorische Überforderung, die sich nur in unfreiwilliger Komik entladen konnte.
Wenn sich jeder einzelne Entwurf so sicher ist, kein einziges Detail zuviel enthält (obwohl doch, da war etwas, eine einzige winzige Irritation, irgendwelche kreisförmigen Holzdinger auf Brustwarzenhöhe, wie sie meine Kunstlehrerin in „Schöne runde Dinge aus Holz“-Workshops zu fertigen pflegte), eine perfekt harmonische, sich öffnende und zugleich zu sich zurückkehrende Form präsentiert, dann braucht man keine Futurismus-Zitate, um als zukunftsweisend zu gelten. Kai Kühne werden wir jedenfalls hoffentlich zur nächsten Fashion Week in Berlin wiedersehen.

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