In Berlin ist der Frühling die Zeit der Kunst. Auch wenn Sonnenschein und blauer Himmel zu dieser Jahreszeit (oder eigentlich zu jeder Zeit) nicht immer garantiert sind, gibt es doch immer Galerie-Wochenende. Auch wenn Sie dabei vielleicht nicht Ihre tägliche Dosis Vitamin D bekommen, können Sie sich doch durch den Kontakt mit belebender Kunst inspirieren und erfrischen lassen. Wie jedes Jahr öffnen rund 50 Galerien in der ganzen Stadt ihre Türen und laden die Öffentlichkeit ein, neue Werke etablierter Künstler sowie vielversprechende Arbeiten aufstrebender Künstler zu entdecken.
Um bei der Fülle an Sehenswürdigkeiten einen kühlen Kopf zu bewahren, hat SLEEK einige Highlights für das kommende Wochenende ausgewählt. Von Parabolspiegel-Fotografie über von Toni Morrison inspirierte Kunstwerke bis hin zu cartoonartigen Fabelwesen – der Frühling in Berlin verspricht strahlende Aussichten, ganz gleich, wie das Wetter wird.
Kunstwerk von Hito Steyerl.
Esther Schipper – Hito Steyerl, Zeitgenössische Höhlenkunst
Esther Schipper präsentiert eine seitenbezogene Variante von Hito Steyerl‘seine Videoinstallation “Animal Spirits”, bestehend aus einem Film und einer live computergenerierten Animation sowie räumlichen Installationselementen. In “Contemporary Cave Art” verwandelt der Künstler die Ausstellung in einen höhlenartigen Raum. Kugelförmige Glasbehälter mit LED-Wachstumslampen, die auf Pflanzen und Erde strahlen, verdeutlichen die Beziehung zwischen Technologie und Biologie. Im Gegenzug erfassen die Sensoren der Glasbehälter die gesammelten Daten und verarbeiten sie weiter.
Die Ausstellung befasst sich mit Themen wie den Bedingungen der Kulturproduktion nach der Pandemie, dem Boom bei Kryptowährungen und NFT-Kunst sowie den Möglichkeiten für dezentrale und autonome Systeme, die von den biologischen Prozessen der Fermentation inspiriert sind.
Eröffnung am 28. April 2023 | Di–Sa 11–18 Uhr | Potsdamer Str. 81E, 10785 Berlin
Kunstwerk von Marlene Rothaus.
ChertLüdde – Marleen Rothaus, Kapelle der Fürsorge und der Wut
Für Chert Lüdde‘s Bungalow, das speziell aufstrebenden Künstlern gewidmet ist, der Künstler, Aktivist und Sozialarbeiter Marleen Rothaus untersucht die Rolle matriarchaler Werte in Bezug auf Gemeinschaft und Fürsorge. Sie schuf einen schützenden und strukturierenden Raum für das Wissen der Frauen, das trotz fortwährender Vernichtungsversuche in den Tiefen des gesellschaftlichen Lebens bewahrt wird.
Ihr forschungsbasierter Prozess zeigt, wie widerstandsfähig mündlich überlieferte Geschichte sein kann, wie beispielsweise die Theorien der Jineoloji, der Wissenschaft der von Frauen geführten kurdischen Freiheitsbewegung, oder der Mythos von Şahmaran. Durch ihre Umsetzung in klare und farbenfrohe Kompositionen sowie deren energiegeladene und kraftvolle Präsenz unterbricht die Künstlerin die historische Erzählung und schafft Raum für eine mögliche gemeinschaftliche Heilung.
4. Februar – 27. Mai 2023 | Di–Sa 12–18 Uhr | Hauptstr. 18, 10827 Berlin
Illustration von Hiwa K.
KOW – Hiwa K, WIE EIN GUTER, GUTER, GUTER JUNGE
Der kurdisch-irakische Künstler Hiwa K präsentiert eine neue Videoinstallation, in der er in seine Heimatstadt Sulaymaniyah zurückkehrt, und zwar am Kow. Das dreiteilige Werk schildert eine Reise zurück zu drei Orten aus seiner Kindheit und Jugend: das bescheidene Haus seiner Familie, das heute eine Ruine ist, seine alte Schule und das berüchtigte Amna-Suraka-Gefängnis, in dem Saddam Husseins Handlanger zwischen 1979 und 1991 unzählige Männer, Frauen und Kinder folterten, vergewaltigten und ermordeten.
Die Videos sind durch unterschiedliche Perspektiven miteinander verknüpft, die einem Faden folgen, der die Geschichten und die Geschichte der Orte miteinander verwebt, und hinterfragen nicht nur das unterdrückerische Regime von Saddam Hussein, sondern auch die komplexe Zeit und die systematische Unterdrückung nach seinem Sturz.
28. April – 1. Juli 2023 | Di–Sa 12–18 Uhr | Lindenstr. 35, 10969 Berlin
Kunstwerk von Cy Twombly.
Bastian Gallery – Cy Twombly, Formen und Schattierungen
Ein Ausflug nach Dahlem könnte sich an diesem Galerie-Wochenende trotz der etwas längeren Anfahrt lohnen, da dort die Eröffnung einer neuen Cy-Twombly-Ausstellung in Galerie Bastian. “Forms and Shades” entstand in enger Zusammenarbeit mit der Cy Twombly Foundation und zeigt den Künstler als Fotografen. Cy Twomblys fotografisches Werk begann bereits während seiner Studienzeit am Black Mountain College und reicht von Landschafts- und Meeresansichten über Atelierszenen bis hin zu Stillleben, Blumen und Blüten.
Der Künstler vergrößerte seine mit einer Sofortbildkamera aufgenommenen, unscharfen Bilder und druckte sie in einem außergewöhnlichen Trockenverfahren auf mattem Papier. Ihre Essenz offenbart sich in Licht und Schatten.
29. April – 17. Juni 2023 | Mi–Sa 11–17 Uhr | Taylorstr. 1, 14195 Berlin
Kunstwerk von Cao Fei.
Sprüth Magers – Cao Fei, Duotopia
Sprüth Magers präsentiert anlässlich dieses Gallery Weekends “Duotopia”, eine große Ausstellung von Cao Fei, bei der mehrere neue Werke außerhalb Chinas uraufgeführt werden, die sich mit den Themen Metaversum, virtuelle Realität und den Wechselwirkungen zwischen menschlichem und maschinellem Bewusstsein auseinandersetzen. Fei setzt ihre Erforschung der durchlässigen Grenzen zwischen der physischen und der virtuellen Welt fort.
Ein Rückblick auf ihre erste Virtual-Reality-Installation, Interviews, eine Ausstellung mit Fotos und Requisiten aus der Pandemie sowie eine Vielzahl von Videoinstallationen werden alle Räume der Galerie in eine Auseinandersetzung damit verwandeln, was es bedeutet, im 21. Jahrhundert Mensch zu sein.
28. April – 19. August 2023 | Di–Sa 11–18 Uhr | Oranienburger Str. 18, 10178 Berlin
Illustration von Federico Solmi.
Guardini-Stiftung – Federico Solmi, Das betrunkene Boot
Das “Gallery Weekend” rückt langsam näher, wobei einige Ausstellungen dem Trubel entgehen und bereits an diesem Wochenende eröffnet werden, darunter „The Drunken Boat“ von Federico Solmi. Der Multimedia-Künstler zeigt eine Auswahl animierter Arbeiten, die sich mit bestimmten Aspekten des Alltags in der westlichen Welt befassen und diese durch die Linse absurder Geschichten beleuchten, die auf spielerische und respektlose Weise erzählt werden.
Das Kunstwerk besteht aus einer Kombination aus Zeichnungen und Gemälden, die mithilfe neuer Technologien wie 3D-Animationen und Videospiel-Software entstanden sind. Solmni inszeniert virtuelle Realitäten, in denen unsere Führungskräfte zu Marionetten werden und die Absurdität der heutigen Ausbeutung deutlich wird. Satire, mit der dystopische Visionen der heutigen Gesellschaft dargestellt werden, spielt in seinem Werk eine zentrale Rolle.
22. April – 21. Juni 2023 | Mo–Fr 13–18 Uhr | Guardini-Stiftung, Askanischer Platz 4, 10963 Berlin
Kunstwerke von Nezaket Ekici.
Kühlhaus Berlin – BOTTOM UP #2
BOTTOM UP #2 ist eine weitere Ausstellung, die an diesem Wochenende eröffnet wird. Nach dem großen Erfolg der Gruppenausstellung „BOTTOM UP“ im Jahr 2018 bietet die zweite Ausgabe erneut einen umfassenden Überblick über die zeitgenössische Kunst in Berlin. Einziger Bezugspunkt ist Berlin, die Stadt, in der die Künstler*innen arbeiten und leben. Die Auswahl erfolgte weder durch eine Einzelperson noch durch eine Institution und unterlag keinerlei Einschränkungen hinsichtlich Thema oder Medium.
Die Idee hinter “BOTTOM UP” geht auf eine selbstorganisierte Künstlergruppe zurück, die beschlossen hat, einige ihrer Kollegen einzuladen, auf drei Etagen des Kühlhauses Berlin auszustellen. Der Titel der Ausstellung spielt mit dem Konzept der Selbstorganisation in sozialen Systemen „von unten nach oben“, bei dem das Gesamtbild dadurch verstanden wird, dass man beobachtet, wie einzelne Teile miteinander verbunden sind – Induktion statt Deduktion.
22. April – 29. April 2023 | Mo–Fr 10–17 Uhr | Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Str. 3, 10963 Berlin
Illustration von Eva Jospin.
Ruinart Maison 1729 – Von Reims nach Berlin
In den letzten 15 Jahren Ruinart lädt seit einiger Zeit renommierte Künstler ein, Kunstwerke zu schaffen, die von ihrer ganz eigenen Interpretation der Marke inspiriert sind. Nach Liu Bolin, Vik Muniz und David Shrigley, … wurde die diesjährige “Carte blanche” an Eva Jospin vergeben. Jospin hat eine Installation mit dem Titel „Promenade[s]“ geschaffen, die vom Reichtum des französischen Champagner-Terroirs inspiriert ist, sowie eine Auswahl an Zeichnungen, Skulpturen und Stickereien, die sich noch intensiver mit der Erkundung der Champagne befassen.
Die Werke der Künstlerin werden anschließend auf der Art Basel und der Frieze New York zu sehen sein. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein “Food for Art”-Dinner, das von Sophia Rudolph im Lovis, der zudem eine Meisterklasse anbieten wird. Abgerundet wird das Programm durch einen Duft- und Aromaworkshop mit dem norwegischen Geruchsforscher Sissel Tolaas.
27. April – 2. Mai 2023 | Täglich 12–20 Uhr | Amtsalon & Lovis Restaurant, Kantstraße 79, 10627 Berlin
Illustration von Marco Siciliano.
UdK HALBHAUS – Rotlichtverstöße
Künstler aus der Universität der Künste‘Klassen von“ Monica Bonvicini, Thomas Zipp und Valerie Favre, stellen ihre Werke unter dem Motto “Jumping Traffic Lights” aus. Der Titel spielt mit dem Wunsch, vorgegebene Regeln und restriktive Strukturen zu durchbrechen, sowie mit den positiven Auswirkungen, die es manchmal haben kann, gegen den Strom zu schwimmen. Der Standort im Herzen der Stadt passt zu dieser Botschaft – junge Künstler am Anfang ihrer Karriere, die es wagen, sich inmitten des etablierten Kunstgeschäfts ihren eigenen Raum zu erkämpfen.
Das urbane und lebendige Umfeld der Potsdamer Straße, in dem sich der Ausstellungsraum befindet, prägt die Ausstellung ebenso wie die Stadt die Werke der jungen Künstler prägt, die sich mit der zwischenstädtischen Sozialisation sowie mit ihren eigenen Erfahrungen und Sehnsüchten in Berlin auseinandersetzen.
Die Ausstellung endet am Sonntag, dem 30.4.2023, mit einer Feier in HALBHAUS, mit DJs Grippe, BBY JSS, unter anderem bei „On a Crac“.
27. April – 30. April 2023 | 12–19 Uhr | HALBBAUS (1. Stock, nicht barrierefrei), Potsdamer Straße 120, 10785 Berlin
Illustration von Rhea Dillon.
Sweetwater – Rhea Dillon, Wir suchten nach Augen, in denen sich Sorge widerspiegelte, sahen aber nur Schleier
Rhea Dillon ist eine in London lebende Künstlerin, Autorin und Dichterin, deren Arbeit sich mit den Regeln der Darstellung und der Inszenierung von „Blackness“ auseinandersetzt. Ihre Ausstellung im Sweetwater Die Ausstellung zum Gallery Weekend mit dem Titel “We looked for eyes creased with concern, but saw only veils” ist von Toni Morrisons Debütroman *The Bluest Eye* (1970) inspiriert und greift dessen Handlung und Figuren in Form von Gemälden, Skulpturen und Installationen auf.
26. April – 10. Juni 2023 | Di–Sa 11–18 Uhr | Leipziger Str. 56–58, 10117 Berlin
Kunstwerk von Renata Lucas
neugerriemschneider – Renata Lucas, Abkürzung
Für ihre Einzelausstellung bei neugerriemschneider lädt Renata Lucas die Besucher dazu ein, in eine Welt einzutauchen, die innere und automatisierte Erfahrungs- und Interpretationsmuster hinterfragt. Ihre interaktive Installation, inspiriert von den gelegentlich in Kirchen anzutreffenden münzbetriebenen Beleuchtungsanlagen, die ein bestimmtes Gemälde für einen kurzen Moment beleuchten, sobald eine Spende eingeworfen wurde, setzt sich mit unseren Verhaltensregeln und dem Einfluss der Umgebung auf unser Verhalten auseinander und schafft so Interventionen, die Erwartungen unterlaufen.
Ihre Arbeiten zeigen einst vertraute Umgebungen aus neuen Blickwinkeln und beleuchten verborgene und unbewusste Zusammenhänge, wie etwa die Kommerzialisierung des Alltags oder Räume, die nur auf den ersten Blick von solchen Normen befreit zu sein scheinen. Das schleifenartige Spiel mit Zeit und Wahrnehmung birgt das Potenzial, gesellschaftliche Dynamiken wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
28. April – 27. Mai 2023 | Di–Sa 11–18 Uhr | Linienstr. 155, 10115 Berlin
Grafik von Olaf Nicolai.
Eigen + Art – Olaf Nicolai, Ich betrachte dich nie aus der Perspektive, aus der du mich siehst
Olaf Nicolai präsentiert eine Serie von Fotoarbeiten, die im Juni 2022 in Olympia, Griechenland, entstanden sind. Die Landschaft und die historischen Stätten von Olympia werden nicht nur als Motive, sondern auch formal dargestellt. Die Bilder entstanden unter Verwendung eines Parabolspiegels – jenem Spiegel, der am häufigsten dazu verwendet wird, das olympische Feuer mit Sonnenstrahlen zu entzünden. Daher werden Bilder, die mit dem Parabolspiegel in Verbindung gebracht werden, meist mit der medialen Inszenierung des Großereignisses “Olympische Spiele” assoziiert.
Dazu gehören das Entzünden der olympischen Flamme sowie der Fackellauf, der seit 1936 darauf folgt. Der Parabolspiegel soll die Lichtstrahlen im Inneren auf einen Brennpunkt bündeln, damit eine Flamme entzündet werden kann. Nicolais Fotografien spielen mit diesem Paradoxon: Ein Spiegel, der dazu gebaut wurde, nach innen zu reflektieren, wird mit dem Spiegel der Kamera konfrontiert, wodurch sich viele verschiedene Ebenen eröffnen, während sein direkter Ursprung verloren geht.
27. April – 27. Mai 2023 | Di–Sa 11–18 Uhr | Auguststraße 26, 10117 Berlin
Bild mit freundlicher Genehmigung von RÄUME.
RÄUME – HumAin – Ich schaffe, also bin ich
Die kuratorische Plattform RÄUME hat ChatGPT um eine Künstler-Prompt als Ausgangspunkt für ihre bevorstehende experimentelle Ausstellung gebeten. Sind wir in der Zukunft angekommen, von der wir immer geträumt haben? Wann gilt ein Kunstwerk als von Menschen geschaffen, und kann KI die Rolle des Künstlers übernehmen? Dies sind einige der Fragen rund um die von RÄUME kuratierte Ausstellung “Ich schaffe, also bin ich” sowie eine Podiumsdiskussion, die einen Dialog zwischen Künstlern und künstlicher Intelligenz anstoßen soll. Die Künstler sind eingeladen, mit dem Algorithmus zu spielen, die komplexe Schönheit der KI zu bestaunen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.
Bild mit freundlicher Genehmigung von Zoeppritz & Joshua Wilks.
ZOEPPRITZ x SLEEK Gallery Pop-up-Store
SLEEK hat sich mit ZOEPPRITZ, dem ältesten Wollwebereiunternehmen Europas und einer Lifestyle-Textilmarke, zusammengetan, um eine exklusive Kollektion hochwertiger Decken und Kissen zu entwerfen, die mit Fotografien der Künstler Sebastian Zimmerhackl und Joshua Wilks.
Die Markteinführung wird an diesem Wochenende im Rahmen eines Pop-up-Events in einer Galerie gefeiert; ab diesem Freitag ist das Produkt im Online-Shop von SLEEK erhältlich.
Bild mit freundlicher Genehmigung von Alexx und Anton.
Alexx und Anton – Weinen Nude Wine, Coquet Vadou
Als Erweiterung ihrer visuellen Ästhetik hat das Kreativdirektor-Duo Alexx und Anton betrat die Welt von Weine und Duftstoffe. Mit einem sehr persönlichen Ansatz werden die Weine in ihrer reinsten, unverfälschten Form belassen und verkörpern so den Gott der Ekstase, Dionysos. Die Düfte beschäftigen sich mit dem Thema eines „Golden Boy“, der ins Erwachsenenalter eintritt und dessen Herausforderungen, und zielen darauf ab, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu vereinen, um letztendlich einen authentischen Ausdruck des Lebens zu schaffen.
Die limitierte Auflage der „Extraits de Parfum“ sowie das Trio natürlicher Weine können vom 28. bis zum 30. April in der Galerie von Alexx und Anton in der Brunnenstraße 6 erlebt werden.