Lilith Stangenberg: Der Racheengel

ALLES IM CHANEL-LOOK.

Wenn SLEEK auf Lilith Stangenberg In der Lobby des Westin Grand Hotel Berlin trägt sie für ihr Shooting mit Chanel einen lässigen Strickpullover. Unter ihren verträumten Augen kleben transparente Augenpads; ihr langes Haar ist noch nicht gestylt, als sie an der Bar einen Pfefferminztee bestellt. ‘Bist du nervös wegen des Shootings?’, fragt SLEEK. Lilith schüttelt den Kopf. Natürlich nicht; schließlich steht die deutsche Schauspielerin, die in Berlin-Kreuzberg geboren und aufgewachsen ist, ständig vor der Kamera. Erst im Februar kam ihr neuester Film, Sterben, unter der Regie von Matthias Glasner feierte auf der Berlinale seine Weltpremiere und machte sie zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen der Branche.

ALLES IM CHANEL-LOOK.

SLEEK unterhält sich mit Lilith über ihre bisherigen Rollen, ihre Erfahrungen in der Großstadt und die Entstehung des Berlinale-Films, Sterben.

SLEEK: Hallo, Lilith. Was ist dein Lieblingsfilm?

Lilith Stangenberg: Oh, die ewige Frage. Für mich ist das Anschauen von Filmen so etwas wie eine Lebensaufgabe. Spontan würde ich sagen, Schicksal, ein Stummfilm von Fritz Lang – ich kehre oft zu den Wurzeln des Kinos zurück.

S: Gab es in Ihrer Karriere als Schauspieler eine Rolle, die Sie besonders geprägt hat?

LS: Ja, natürlich: Meine Rolle in Wild von Nicolette Krebitz. Die Begegnung mit dem Wolf, diesem wilden Tier, hat mich definitiv zu einem anderen Menschen gemacht. Sie hat eine Kraft in mir geweckt, die ich zuvor nicht kannte. Etwas Natürliches, eine Art Aufrichtigkeit in meinem Innersten.

S: Inwiefern hat dich das Aufwachsen in Berlin geprägt?

LS: Ich glaube, die Berliner tragen etwas ganz Eigenes und Interessantes in sich – etwas, das für die Kunst sehr kraftvoll ist. Um einen dieser furchtbar grauen Winter hier zu überstehen, braucht man Widerstandskraft und Ausdauer. Gleichzeitig ist das genau der Grund, warum viele Menschen hier in einen inneren Raum der Fantasie flüchten. Das hat mich auf jeden Fall in gewisser Weise geprägt und mir geholfen, mich mit schwierigen Themen, verworrenen Charakterzügen und Hoffnungen auseinanderzusetzen. Außerdem hat es mir beigebracht, sehr diszipliniert zu arbeiten.

ALLES IM CHANEL-LOOK.

S: Die Weltpremiere von Sterben auf der Berlinale war unglaublich erfolgreich. Siehst du irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen dir und deiner Figur Ellen?

LS: Ich glaube, Ellen hat eine tiefe innere Abneigung dagegen, erwachsen zu werden. Sie kann sich nicht mit den gesellschaftlichen Werten wie Erfolg, Karriere und Geld identifizieren – sie ist das Gegenteil ihres Bruders, der als Dirigent arbeitet. Das geht so weit, dass sie sogar körperlich darauf reagiert. Das ist definitiv etwas, das ich auch bei mir selbst wiedererkenne. Ich bin wahrscheinlich viel verantwortungsbewusster als sie, aber ich verstehe sie.

S: Was hat Sterben Was hat in dir ausgelöst, als du den fertigen Film gesehen hast?

LS: Mir ist aufgefallen, dass sich unsere Gesellschaft oft weigert, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. In anderen Kulturen werden die Toten gewürdigt, während der Tod hier meist verschwiegen wird, als ob er alle überfordern würde.

S: Gibt es eine bestimmte Rolle, die du in Zukunft gerne spielen würdest?

LS: Ja! Ein Samurai als Racheengel.

Fotos: Matthias Leton. ALLE OUTFITS VON CHANEL.

Credits: 

Fotografie: Matthias Leton
Styling: Tabi Charaf
HMU: Christian Fritzenwanker mit La Biostethique und Chanel Beauty
Talent: Lilith Stangenberg
Künstlerische Leitung: Claude Gerber, Tabi Charaf
Kreative Produktion: Claude Gerber, Jule Nötzel, Kaya Wolfinger
Assistent der Fotografie: Leopold Stöckert
HMU-Assistent: Melissa Righi.
Alle Looks: Chanel

Wie in SLEEK 80 – FORTUNE vorgestellt. Erhältlich als Print- und Digitalausgabe hier.