Fotos: Puria Safary.
2024 wird ein spannendes Jahr für die deutsche Filmwelt. Sandra Hüller wurde für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert, Hagen – Im Tal der Nibelungen, mit Jannis Niewöhner ist gerade erschienen und Maxton Hall erwies sich als weltweiter Erfolg. Nun erwartet uns eine einzigartige und inspirierende Ergänzung: Am “Orange Day”, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, startet die neue Dramedy-Serie Supermad (org. Angemessen wütend) feierte Premiere, mit Marie Bloching in der Hauptrolle.
Die Handlung der Serie dreht sich um Amelie, eine ganz normale Haushälterin, die nach einem Übergriff übernatürliche Kräfte entwickelt und es sich zur Aufgabe macht, sich gegen gewalttätige Männer zu wehren. Bloching behandelt ein ernstes Thema, das für viele Frauen und Mädchen weltweit bittere Realität ist, und vermittelt mit ihrer kraftvollen, authentischen und bisweilen auch heiteren Darstellung eine Botschaft der Hoffnung – Hoffnung darauf, die Kraft zu finden, die eigene Macht zurückzugewinnen, und zu wissen, dass man nicht allein ist.
Die Film- und Theaterschauspielerin gilt schon seit Langem als aufstrebender Star unter den jungen Talenten Deutschlands. Im Jahr 2016 wurde sie für ihre Rolle als Paula in Rainer Kaufmanns Fernsehfilm für den Günter-Strack-Fernsehpreis nominiert. Das Beste aller Zeiten. Im selben Jahr gab Bloching ihr Filmdebüt in der Komödie Radio Heimat. Die meisten kennen sie jedoch wahrscheinlich als Lia, die Supermarktverkäuferin aus der Serie Die Discounter. Während Die Discounter Auch wenn die Serie in diesem Jahr ihre letzte Staffel veröffentlicht, scheint Blochings Karriere gerade erst anzufangen. Supermad Dies ist ihre erste Hauptrolle, was beweist, dass wir in Zukunft noch viel mehr von ihr erwarten können.
SLEEK lud Bloching zu einem Gespräch über das Gefühl von Macht, Superhelden und das Leben am Set ein – und hatte dabei die Gelegenheit, mehr über Marie, Amelie und Lia zu erfahren.
Fotos: Puria Safary.
SLEEK: Hallo Marie, wer ist dein persönlicher Superheld?
Marie Bloching: Meine Tante Lore. Eigentlich war sie die Schwester meiner Oma, aber wir haben sie immer Tante genannt. Sie war Geschäftsfrau und besaß zwei Kinos – zu einer Zeit, als noch nicht viele Frauen solche Unternehmen führten. Sie war tough, witzig und liebte es, zu essen und zu trinken. Wenn ihr jemand Wasser anbot, sagte sie: “Was? Willst du mich etwa vergiften?” Sie war wirklich etwas Besonderes, aber auch unglaublich cool.
S: In diesem Monat feierte deine neue Serie Premiere Supermad. Welche Gemeinsamkeiten hast du mit Amelie aus der Serie?
MB: Ich glaube, es ist dieses Gefühl, unter so vielem begraben zu sein und sich selbst wieder herausgraben zu müssen. Genau das erlebt Amelie in der Serie, und so fühle ich mich manchmal auch. Dieses Gefühl der Ohnmacht, weil man einfach überfordert ist.
S: Was hast du von Amélie gelernt?
MB: Was ich an Amélie cool finde, ist, wie eigensinnig sie ist. Da dachte ich mir: Das sollte ich auch mal ausprobieren. Sie zieht die Dinge einfach durch und bleibt sich selbst treu. Ich habe das Gefühl, dass Amelie jemand ist, der immer auf ihr Bauchgefühl hört. Und ich finde das großartig, denn ich habe festgestellt, dass mein Bauchgefühl meistens auch richtig liegt.
S: In „Supermad“ fühlt sich Amelie durch ihre Superkräfte gestärkt und ist in der Lage, sich selbst und andere zu beschützen. Wann fühlst du dich stark?
MB: Wenn ich in richtig kaltem Wasser schwimmen gehe. Zum Beispiel in einem See.
Bild mit freundlicher Genehmigung von RTL.
Bild mit freundlicher Genehmigung von RTL
S: Im Trailer zu Supermad, sehen wir Amelie, wie sie mit einer gestrickten Maske und einem Korsett bekleidet kämpft. Was sagt dieses Superhelden-Outfit über sie aus?
MB: Ein Korsett kann sich einerseits sehr einengend anfühlen, andererseits aber auch Stabilität bieten. Und eine Uniform ist etwas, hinter dem man sich verstecken oder an das man sich klammern kann. In Amélies Fall nutzt sie sie vor allem, um ihre Identität zu schützen. Meistens trägt sie unter dem Korsett einen Ledermantel – eine supercoole Kombination. Gegen Ende trägt sie nur noch ein langärmeliges Hemd ohne den Ledermantel, was sie plötzlich viel persönlicher und verletzlicher wirken lässt.
S: Klingt so, als hättest du bei den Anproben viel Spaß gehabt. Gab es am Set ein Kleidungsstück, das du gerne mit nach Hause genommen hättest?
MB: Oh, ich habe tatsächlich etwas mit nach Hause genommen: einen Catsuit mit Leopardenmuster. Ich habe ihn geschenkt bekommen, denn er stammte aus der privaten Garderobe einer der Kostümdesignerinnen. Ich habe ihn sogar letztes Weihnachten getragen, zusammen mit einem dünnen, alten Schal von Tante Lore.
S: Was war für dich der schönste Moment am Set?
MB: Auf jeden Fall die Stuntszenen. Die waren so körperbetont, fast wie Tanzen. Wenn der Körper zittert oder man etwas allein durch eine Handbewegung wegschleudert – da kann man sich wirklich vollkommen gehen lassen.
S: Inwiefern beeinflusst deine Arbeit als Schauspieler deinen Alltag?
MB: Nun, wenn ich mir Filme anschaue, achte ich meistens auf die Leistung der Schauspieler und nehme zum Beispiel gar nicht so richtig wahr, wie der Film geschnitten wurde. Aber mittlerweile versuche ich mehr, zu verstehen, warum sich der Regisseur für bestimmte Kameraeinstellungen oder Szenen entschieden hat.
Fotos: Puria Safary.
S: Wie haben sich deiner Meinung nach die Arbeit am Set und deutsche Produktionen im Allgemeinen verändert oder weiterentwickelt, seit du mit der Schauspielerei angefangen hast?
MB: Ich mache das noch nicht sehr lange, daher bin ich mir nicht sicher, ob ich das mit Sicherheit sagen kann, aber ich habe den Eindruck, dass man sich bemüht, offener und einfühlsamer zu sein. Heutzutage gibt es bei fast jedem Drehteam eine Vertrauensperson, mit der man über alles reden kann. Aber dennoch gibt es diese geld- oder machthungrigen Idioten. Ich schätze, sie können auf manche Menschen sehr anziehend wirken.
S: In welchem Genre siehst du dich in Zukunft?
MB: Ich möchte unbedingt mit Menschen zusammenarbeiten, die bestimmte Themen ansprechen, eine Botschaft vermitteln und ihre Arbeit ernst nehmen wollen. Menschen, die eine Vision haben. Comedy, wie Die Discounter, macht zwar auch riesigen Spaß und ist total cool, aber in Zukunft würde ich gerne ernsthaftere Rollen übernehmen.
S: Was war der Unterschied zwischen der Arbeit am Set von Die Discounter und Supermad?
MB: Nun, was Die Discounter, da haben wir nur improvisiert. Das war definitiv etwas, das ich am Set von Supermad. Aber letztendlich hatten wir dort ein festes Drehbuch. Außerdem war die Rolle dieses Mal viel umfangreicher.
S: Wie tief tauchst du in die Rolle ein, wenn du improvisierst?
MB: Das ist immer schwer zu sagen. Irgendwie können die Grenzen da sehr verschwimmen. Amélie ist in gewisser Weise auch ich. Ich glaube nicht, dass Schauspieler sich in andere Menschen verwandeln oder so etwas. Man kann nur auf der Grundlage dessen spielen, was man weiß, wer man ist, was man erlebt hat und was man gelesen hat. Und genau das habe ich bei Amélie ganz sicher getan.