Bild mit freundlicher Genehmigung von SLEEK.
Berlin lebt, wie jede andere große Hauptstadt auch, von seiner Kultur, seinem Chaos und seiner sich ständig weiterentwickelnden Auswahl an angesagten Orten. Ein Freund meinte kürzlich, die “It-Spots” der Stadt hätten eine Lebensdauer von höchstens einem Jahr – eine Einschätzung, die in vielerlei Hinsicht zutrifft. Doch hin und wieder eröffnet ein Ort, bei dem man das Gefühl hat, dass er von Dauer sein wird. Der neueste Name, der derzeit in der ganzen Stadt für Aufsehen sorgt, ist Pinci, dessen Wurzeln tiefer reichen als flüchtige Trends.
Mitten in Mitte, in der Großen Hamburger Straße 42, ist das „Pinci“ eine neue Adresse im Viertel, die sich den üblichen Allüren entzieht. Es ist nicht nur ein Restaurant, nicht nur ein Café, nicht nur eine Bar – sondern alles zusammen. Das Konzept ist einfach und von italienischen Tagesbars inspiriert: schnelles, aber hochwertiges Essen, guter Kaffee, noch bessere Getränke und kein unnötiger Schnickschnack. Man kann schon um 8 Uhr morgens auf einen Espresso hereinschauen und sich dann bis 23 Uhr bei einem Negroni dort aufhalten.
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Der Name “Pinci” stammt von Manu, einem der drei Gründer, dessen italienische Wurzeln tief reichen – jeder Mann in seiner Familie wird einfach “Pinci” genannt. Und ganz wie sein Namensgeber basiert auch „Pinci“ eher auf Tradition als auf Hype. Manu leitet die Küche und greift dabei auf seinen gastronomischen Hintergrund zurück. Dann ist da noch Lu, die ihren Einstieg in die Welt des Weins und des Essens als ein Hobby beschreibt, das „völlig aus dem Ruder gelaufen ist“. Das Trio vervollständigt Silvan, der die Berliner Gastronomieszene, insbesondere in Neukölln, in den letzten acht Jahren mitgeprägt hat.
Gemeinsam haben sie etwas geschaffen, das ganz ungezwungen wirkt – etwas, von dem Berlin gar nicht wusste, dass es das brauchte. Einen Ort, der sich einlebt, sich hier zu Hause fühlt – und dich dazu einlädt, es ihm gleichzutun.
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SLEEK: Wie würdest du Pinci in einem Satz beschreiben?
Manu: Wir sind eine italienische Tagesbar, die morgens um 8 Uhr öffnet und abends um 11 Uhr schließt. Unser Ziel ist es, den italienischen Lebensstil auf moderne Art und Weise nach Berlin-Mitte zu bringen – zumal diese Gegend von Ketten dominiert wird.
S: Welche Lücke füllt Pinci in der Berliner Gastronomie?
Manu: Mir fällt kein Ort in Mitte ein, an dem man früh morgens vorbeischauen, einen Caffè al banco bestellen und sich auf dem Weg zur Arbeit ein hochwertiges Croissant, einen Saft oder ein Tramezzino mitnehmen kann. Und das geht nicht nur einmal, sondern dreimal am Tag, wenn man möchte.
S: Wie habt ihr drei euch kennengelernt?
Lu: Unsere Leidenschaft hat uns zusammengebracht. Es ist allerdings keine gemeinsame Leidenschaft im eigentlichen Sinne – bei Silvan dreht sich alles um Getränke und Gastfreundschaft, bei Manu geht es hauptsächlich um Essen, und bei mir ist es die Kombination aus Wein und Gastfreundschaft. Ich liebe es, eine herzliche Atmosphäre zu schaffen, Menschen zusammenzubringen und einfach Spaß als Gastgeber zu haben.
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S: Wie verlief der Entstehungsprozess von „Pinci“?
Manu: Wir hatten zu Beginn keine feste Vorstellung – wir wollten einfach nur einen schönen Ort schaffen. Wir alle haben eine Schwäche für Italien und hatten das Gefühl, dass es an zeitgemäßen italienischen Konzepten mangelt, die über neapolitanische Pizza hinausgehen. Wir wollten einen Treffpunkt, an dem man keine Reservierung braucht, an dem man einfach einen Espresso trinken oder, wenn man Lust hat, eine Flasche Wein genießen kann. Einen Ort, an den man mit Freunden, zum Date oder mit der Familie kommen kann – ganz unkompliziert, wo man einfach vorbeikommt und schaut, was passiert.
S: Was war dein erster Eindruck von diesem Raum?
Manu: Wir hatten diesen Standort schon seit einem Jahr im Auge. Mir ist er zum ersten Mal aufgefallen, als ein Freund hier ein Bekleidungsgeschäft betrieb, und ich dachte sofort: Hier sollte ein Café oder etwas im Gastronomiebereich entstehen. Der Weg dorthin war mit einem langen Kampf um Genehmigungen verbunden, aber wir haben es geschafft. Wir bieten bereits eine große Auswahl an Produkten an, wollen aber unsere Frischetheke ausbauen. Das fühlt sich wie eine natürliche Fortsetzung der Geschichte dieses Standorts an – als eine Art „Bodega“, in der man sich unterwegs ein Getränk oder ein Sandwich holen kann.
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S: Was macht einen Raum einladend?
Lu: Dieser Ort wird in erster Linie von den Menschen geprägt, die dahinter stehen – also von uns. Dann von den Menschen, die hierherkommen. Und drittens vom Design. Wir haben es mit den verschiedenen Stühlen ein bisschen übertrieben, aber in gewisser Weise spiegelt das wider, wer wir sind. Silvan sagt immer, ein Laden solle eine Bühne sein.
Silvan: Der Raum muss Dynamik schaffen, mit Höhen und Tiefen. Ein Ort, an dem man gesehen wird, aber auch eine kleine Ecke für sich selbst findet. Es geht um die richtige Balance. Im hinteren Bereich haben wir den ’120“ geschaffen, eine Art Tribüne, die sich zum Lieblingsplatz unserer Gäste entwickelt hat. Wir haben den Raum leicht erhöht und eine zentrale Insel eingebaut, damit sich alle gegenseitig sehen können.
S: Berlins Subkulturen werden aufgrund steigender Mieten zunehmend verdrängt. Wie schafft man einen Raum, in dem Subkulturen weiterhin gedeihen können?
Manu: Wir wollen einladend wirken, nicht einschüchternd oder exklusiv. Deshalb bieten wir Espresso für 1,50 € an – etwas Einfaches, das man an der Bar genießen kann, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen, bevor man sich ein Urteil bildet. Außerdem arbeiten wir mit Künstlern und Kollektiven zusammen und bieten ihnen in unseren Räumlichkeiten eine Plattform. Unser erstes Kunstwerk stammt zum Beispiel von Oliver Osborne, und er kann den Preis des Gemäldes bei Pinci in Form von Speisen und Getränken einlösen. Pinci ist für alle da – für Subkulturen und für diejenigen, die nicht dazu gehören. Wir zielen nicht auf eine bestimmte Kundschaft ab. Deshalb funktioniert unser italienisch inspiriertes Konzept – es ist leicht verständlich und zugänglich. Vor allem geht es um die Begegnungen, die hier stattfinden, wo sich Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen über den Weg laufen.
Pinci hat jetzt neue Öffnungszeiten: Montag bis Freitag ist das Lokal den ganzen Tag über von 8:00 bis 23:00 Uhr geöffnet.