Fotos: Kristian Schuller.
Liebe Freunde von SLEEK,
Manchmal reicht schon ein einziger Moment. Eine Geste. Ein Blick. Ein Schritt. Und plötzlich bist du nicht mehr nur Zuschauer – du wirst Teil davon. Teil einer anderen Realität, eines Zustands tiefer Konzentration, einer Geschichte, die nicht nur erzählt, sondern gelebt wird.
Diese Ausgabe widmet sich dem Thema „Eintauchen“ – dem Akt des Eintauchens. Nicht als Form der Realitätsflucht, sondern als bewusster Schritt in die Tiefe. In eine Rolle, einen Gedanken, einen Raum oder ein Projekt. Eintauchen bedeutet, sich hinzugeben, präsent zu sein, sich selbst zu riskieren – und dadurch mit etwas Größerem in Resonanz zu treten.
Nicki Lange weiß das nur zu gut. Nachdem man 100 Kilometer durch die Atacama-Wüste gelaufen ist, wenn die Realität langsam verschwimmt und der Schmerz sich verwandelt
in die Klarheit. Sein Körper rennt – sein Geist erhebt sich. Für ihn ist das Eintauchen kein metaphorischer Zustand, sondern tägliche Praxis. Und ja: auch eine Art Glaubensbekenntnis.
Apropos Glaube: In Litauen, weit entfernt vom Petersplatz, sitzt Erzbischof Georg Gänswein in seinem neuen Büro als Nuntius. Er spricht mit uns über Rituale, über Benedikt XVI. und über die Wahrheit in Zeiten des Umbruchs. Für ihn bedeutet Hingabe, sich einer Aufgabe ganz und gar zu widmen. Selbst – und vielleicht gerade dann –, wenn sich die Welt um einen herum verändert.
Svenja Jung hingegen taucht tief in Figuren ein, die sich verlieren – in der Lust, im Zweifel, in Beziehungen, manchmal sogar in der Gefahr. In „Fall for Me“ und „naked“ spielt sie Frauen, die sich nehmen, was sie wollen. Was in ihrem Spiel wie Leichtigkeit wirkt, ist in Wirklichkeit radikale Hingabe – und der Mut, nach jeder Rolle wieder an die Oberfläche zu kommen. Oder sich ganz hinzugeben.
Und dann ist da noch Jorinde Voigt, deren Kunst man nicht nur sieht, sondern auch spürt. Ihre Zeichnungen, Notationen und Installationen führen uns an die Grenze des Aussprechbaren – und darüber hinaus. Wer sich auf ihr Werk einlässt, verliert sich in Rhythmus, Struktur und Stille. Eintauchen als Wahrnehmung.
Was all diese Geschichten verbindet, ist mehr als nur ein Thema. Es ist eine Haltung. Sich ganz auf etwas einzulassen bedeutet, sich nicht mit dem Oberflächlichen zufrieden zu geben. Es bedeutet, Nähe zuzulassen, Widersprüche anzunehmen und ganz im Moment präsent zu sein. In einer Welt, die von Lärm, Hektik und Ablenkung geprägt ist, zelebriert diese Ausgabe das Gegenteil: Achtsamkeit. Hingabe. Tiefe.
Also: Atmen Sie tief durch. Blättern Sie um. Und tauchen Sie mit uns ein.
Mit freundlichen Grüßen, Christian Bracht