Vater, Mutter, Bruder, Schwester: Jarmusch gewinnt mit einem intimen Familienporträt den Hauptpreis in Venedig

Bild mit freundlicher Genehmigung von Yorick Le Saux, Vague Notion.

Drehbuch und Regie: Jarmusch selbst, Vater, Mutter, Bruder, Schwester ist ein bezaubernder Episodenfilm, der aus drei Epilogen besteht, in deren Mittelpunkt jeweils eine andere Familie in drei verschiedenen Städten steht: New Jersey, Dublin und Paris. Die Struktur kommt jedem, der Jarmuschs Universum kennt, sofort vertraut vor und erinnert an seinen Klassiker Nacht auf der Erde (1991), in dem fünf Geschichten von Taxifahrern rund um den Globus erzählt werden, von Los Angeles bis Rom.

Jarmusch kehrt zu den Elementen zurück, die er am meisten liebt: Autos als intime Räume und die Gespräche, die darin stattfinden, oft ohne Blickkontakt. Dies ist seit langem eines seiner bevorzugten Stilmittel, und auch hier gibt es wieder den Ton an. Seine dialoglastigen Filme entwickeln sich in einem sanften Rhythmus, nie zu dramatisch, immer leicht, und laden uns in das warme, eigentümliche Jarmusch-Universum ein, in dem jeder irgendwie seinen Platz hat.

Über zwanzig Jahre später arbeitet Jarmusch erneut mit seinem langjährigen Weggefährten und Freund Tom Waits zusammen, der im ersten Kapitel des Films die Rolle des Vaters spielt. Mit seiner von Whiskey geprägten Stimme begrüßt Waits seine erwachsenen Kinder (Adam Driver und Mayim Bialik), bietet ihnen nichts weiter als Wasser und dann Tee an und stößt jedes Mal mit ihnen an. Die peinlichen Schweigepausen zwischen Eltern und erwachsenen Kindern, die uns allen so vertraut sind, werden auf urkomische Weise eingefangen. Mit seinem scharfen Blick für Details und seinem Witz findet Jarmusch einmal mehr die Poesie in den kleinen, seltsamen Momenten menschlicher Begegnung.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Yorick Le Saux, Vague Notion.

Über zwanzig Jahre später arbeitet Jarmusch erneut mit seinem langjährigen Weggefährten und Freund Tom Waits zusammen, der im ersten Kapitel des Films die Rolle des Vaters spielt. Mit seiner von Whiskey geprägten Stimme begrüßt Waits seine erwachsenen Kinder (Adam Driver und Mayim Bialik), bietet ihnen nichts weiter als Wasser und dann Tee an und stößt jedes Mal mit ihnen an. Die peinlichen Schweigepausen zwischen Eltern und erwachsenen Kindern, die uns allen so vertraut sind, werden auf urkomische Weise eingefangen. Mit seinem scharfen Blick für Details und seinem Witz findet Jarmusch einmal mehr die Poesie in den kleinen, seltsamen Momenten menschlicher Begegnung.

In dem Film geht es weniger um das einfache Thema der familiären Liebe als vielmehr um die stillen Entfremdungen, die mit der Zeit einhergehen. Kinder entfernen sich von ihren Eltern, Geschwister voneinander. Doch Jarmusch deutet an, dass auch Eltern sich von ihren Kindern entfernen. Seine Sichtweise lässt sich eher so zusammenfassen: “Ich bin dein Elternteil, aber ich habe mein eigenes Leben, weißt du?” Er löst sich von festgefahrenen Familienrollen und schafft einen Raum, in dem sich alle als Individuen begegnen. Es gibt keine heftigen Konflikte, sondern nur subtile Momente, in denen jede Figur ihren eigenen Freiraum bewahrt – manchmal durch liebevolle Lügen.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Yorick Le Saux, Vague Notion.

Genauso stark wie der erste Epilog Vater ist, klar in seiner Aussage und still bewegend, die folgenden beiden, Mutter und Bruder Schwester, verfallen in Wiederholungen. Selbst das hochkarätige Trio aus Charlotte Rampling, Cate Blanchett und Vicky Krieps in Mutter, die in YSL-Stücken übertrieben gestylt sind, können das Gefühl der Monotonie nicht ganz vertreiben. Im dritten Akt, Bruder und Schwester, … verliert der Film jedoch etwas von seiner anfänglichen Energie, da die Darbietungen von Indya Moore und Luka Sabbat etwas flach wirken und der verspielte Witz der ersten Folge weniger zum Tragen kommt.

Dennoch gelingt es Jarmusch, etwas Neues und zugleich Vertrautes zu schaffen. Es ist ein stiller, herzerwärmender Film, voller intimer, charakterorientierter Momente, die sein Werk auszeichnen. Der mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnete Film soll noch in diesem Jahr in die Kinos kommen.