Mit dem Fahrrad in die Zukunft

In Berlin und darüber hinaus gelten Fixed-Gear-Räder als “Moderäder”, oft sogar so sehr, dass man sich beim Fahren damit den Hass der Hipster zuzieht (und zugegebenermaßen sieht man auch einige Fahrrad-Neulinge, die sich auf diesen Rädern etwas zu sehr bemühen, cool zu wirken). Eine neue Ausstellung in der Urban Spree Gallery macht jedoch deutlich, dass Fixed-Gear-Räder ursprünglich die erste Wahl der Rennfahrer waren – ja sogar eine Notwendigkeit, da Gangschaltungen und die Kettenschalttechnik erst viele Jahre nach der ersten Tour de France erfunden wurden und selbst dann von manchen als dekadenter, bürgerlicher und vielleicht sogar unsportlicher Luxus angesehen wurden.

Christoph Reichert, der Organisator der Ausstellung “Grand Boucle” (der Name ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Tour de France), hat eine recht reizvolle Sammlung anachronistischerFahrräder zusammengestellt, die an der Decke des Ausstellungsraums hängen, zusammen mit einigen hervorragenden Siebdrucken der Logos namhafter (und inzwischen nicht mehr existierender) Fahrradhersteller: darunter Raleigh aus Nottingham in England, Peugeot aus Paris, Flying Goose und andere weniger bekannte Marken. Außerdem ist ein wunderschönes Magazin zu sehen, dessen Fotos die Entwicklung des Rennrads nachzeichnen, sowie einige eindrucksvolle Aufnahmen von Leopold Fiala, die die sich schlängelnden, schwindelerregenden Serpentinen in den Bergen zeigen, an denen sich im Profi-Radsport wirklich die Spreu vom Weizen trennt. Die Ausstellung ist nur noch bis zum 27. Juli 2012 zu sehen, es lohnt sich also, sich so schnell wie möglich aufs Fahrrad zu schwingen und dorthin zu radeln.

Text von Kevin Braddock

Mother Drucker & Chipsnchampagne präsentieren „The Grand Boucle Project“ in der Urban Spree Gallery im RAW Tempel.

Revaler Str. 99, 10245 Berlin
Bis zum 27. Juli, 11:00 – 19:00 Uhr
www.urbanspree.com