Die Fotografien von Harley Weir haben etwas Unnachahmliches an sich; sie strahlen eine Romantik aus, die zugleich nostalgisch und doch direkt ist. Mit einem Portfolio, das von i-D bis AnOther, von Balenciaga bis Calvin Klein reicht, ist Weir praktisch ein Begriff (zumindest, wenn man sich in modebewussten Kreisen bewegt). Und obwohl sie eine Vielzahl unterschiedlicher Motive einfängt, sind es doch Gesichter, die Weirs Bildsprache dominieren – Rihanna, M.I.A., Chloe Sevigny und Adwoah Aboah gehören zu den Gesichtern, die in Weirs intimen, lichtdurchfluteten Porträts verewigt sind. Weirs neuestes Projekt “Function” geht über die Köpfe ihrer Porträts hinaus und erkundet den Körper und seine Eigenheiten – von seiner innewohnenden Sinnlichkeit bis hin zu seinen biologischen Abläufen.
Weirs “Function”, das für die fünfte Ausgabe des Baron-Magazins konzipiert wurde, wird seinem Titel in mehr als einer Hinsicht gerecht. Der kuratierte Band – der neben Weirs bisher unveröffentlichten Fotografien auch Texte und gefundene Bildmaterialien enthält – hinterfragt die vielfältigen Funktionen des Körpers und die Art und Weise, wie diese zum Ausdruck kommen. Im Einklang mit Weirs Beschäftigung mit dem Erotischen stellen die Bilder das Biologische und das Soziale einander gegenüber, indem sie Sexualität im Sinne einer Fortpflanzungsfunktion, eines innewohnenden Verlangens und eines sozialen Phänomens betrachten.


Zugegebenermaßen ist dies nicht Weirs erster Ausflug jenseits der redaktionellen Fotografie. Ihr im vergangenen Jahr bei Loose Joints erschienenes Buch “Paintings” war eine dreijährige Untersuchung von Oberflächen, in der die lebenden Motive, die zuvor ihr Werk geprägt hatten, fehlten, und in der sie die Fotografie als einen Prozess der Unmittelbarkeit erforschte. Doch “Function” ist noch einmal anders und zeichnet sich nicht durch seinen Stil, sondern durch sein Thema aus. Auf den 152 Seiten dokumentiert Weir eine natürliche Geburt und interpretiert das Bild von Madonna und Kind mit den Models Lily Newmark und Jess Maybury neu. Die stets umstrittene weibliche Brustwarze (die offenbar immer noch (ist nicht kostenlos) wird erneut als Ort sowohl der Fürsorge als auch der Provokation, während die Vorstellung davon, was es bedeutet, “”sexy“ wird anhand von Stillleben thematisiert, die die Kommerzialisierung des Körpers hinterfragen. Im Kern ermöglicht uns “Function”, unsere Sichtweise auf unseren eigenen Körper und unsere eigene Sexualität – aber auch auf die anderer – neu zu überdenken.






Baron Nr. 5, “Function” von Harley Weir, ist Jetzt vorbestellbar. Die Auflage ist auf 1000 Exemplare begrenzt, also greifen Sie schnell zu!