Hernan Bas in der Galerie Perrotin, Paris

Der 1976 geborene, in Detroit lebende Künstler versteht es meisterhaft, Anspielungen auf die Kunstgeschichte – manche offensichtlicher, andere weniger – auf eine gekonnte und zugleich nonchalante, an Tumbler erinnernde Weise nebeneinander zu stellen. Seine aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Emmanuel Perrotin in Paris trägt den Titel ‘Thirty-Six Unknown Poets (oder: Dekorationsgegenstände für das homosexuelle Zuhause)’. Dies ist eine Anspielung auf die ‘Thirty Six Poets Immortals’, eine Gruppe japanischer Dichter, die der legendäre Schriftsteller Fujiwara No Kinto im Jahr 1009 zusammenstellte, da er glaubte, ihre Werke hätten einen ewigen Wert. Der Titel ist aufschlussreich: Sein erster Teil stellt die Idee der Zeitlosigkeit auf den Kopf und reflektiert über das Schicksal völlig vergessenswerter Werke; sein zweiter Teil fügt eine augenzwinkernde, selbstbewusste Ebene hinzu, die für Bas’ Œuvre von entscheidender Bedeutung ist.

In dem großen, luftigen Raum der Passage Saint Claude sind kleine Porträts junger Männer zu sehen – allesamt erfundene, unbekannte Dichter. Sie wirken sowohl modisch als auch an die Männerporträts des 19. Jahrhunderts erinnernd – etwas, das auch in den Werken seiner Zeitgenossen Christian Schoeler und Elizabeth Peyton deutlich wird. Stilistisch scheint Bas durch den wiederholten Einsatz von Blattgold – auf Lippen oder Knöpfen – bewusst auf Gustav Klimt Bezug zu nehmen, ebenso wie durch die ausgemergelten Gesichtszüge der Männer auf Egon Schiele. Dennoch verleiht er jedem Porträt eine komische, auf eigenwillige Weise persönliche Note, indem er Bildunterschriften hinzufügt wie “Er hielt Baudelaire für überbewertet”, “Seine Eltern drängten ihn zum Medizinstudium” oder “Sein letztes Gedicht handelte vom Selbstmord”. Der Raum ist mit bemalten Tafeln geschmückt – oder besser gesagt: bevölkert –, die sowohl von der japanischen Tradition als auch von der Nubis-Bewegung inspiriert sind. Diese sind mit kunstvoll gestalteten Wolkenkratzern und Van-Gogh-artigen Sonnenblumen verziert und schaffen so eine poetische, postmoderne Landschaft innerhalb der Galerie. Hernan Bas schafft mit seiner gekonnten Hommage an den deutschen Expressionismus, die er mit zeitgenössischen Fragestellungen verbindet, eine kraftvolle, relevante und zutiefst unterhaltsame Ausstellung.

Hernan Bas Sechsunddreißig unbekannte Dichter (oder: Dekorationsgegenstände für das homosexuelle Zuhause) Bis zum 27. Oktober 2012 Galerie Perrotin, Paris