Isa Genzkens „Nefertiti“

Isa Genzkens neue skulpturale Arbeiten sind ab morgen bei Hauser & Wirth zu sehen. Im Mittelpunkt steht ein Werk, das die Büste der Nofretete und die Mona Lisa zeigt, die beide für die Tradition weiblicher Schönheit und den Platz der Frau in der Kunstgeschichte stehen. Genzken verwendet Gipsreproduktionen der Büste der Nofretete, die sie erstmals im Ägyptischen Museum in Berlin gesehen hatte, setzt ihnen Sonnenbrillen auf und stellt sie auf weiße Sockel. An jeden Sockel lehnen Reproduktionen der Mona Lisa, überlagert von Genzkens eigenem Selbstporträt.

Genzkens Skulpturen sind wackelig aufeinandergestapelte Assemblagen aus unter anderem Topfpflanzen, Designermöbeln, leeren Transportkisten und Fotografien, die unter Berücksichtigung der Traditionen der modernistischen Skulptur angeordnet sind – Traditionen, die die Künstlerin anschließend manipuliert. Mit dieser kakophonischen Anordnung von Objekten untergräbt Genzken die klassischen Vorstellungen von Skulptur.

In Genzkens Collagen verschmelzen Skulptur und Fotografie miteinander und überschneiden sich; ihre dichten Oberflächen bestehen aus Materialien aus der Welt der Künstlerin: Zeitschriften, Flyer, Schnappschüsse von Freunden, Selbstporträts und reproduzierte Kunstwerke. Genzken nutzt alle Flächen der Galerie, darunter eine fortlaufende Serie von Collagen, die sich über den Boden des Raums erstrecken wie das Pflaster einer belebten Stadtstraße.

Sie lässt die architektonischen Dimensionen ihrer geliebten Wolkenkratzer-Motive und die farbenprächtige Vielfalt der Stadtstraßen wiederaufleben. Frei von der Schwere und der überwältigenden Größe, die die Skulpturen ihrer minimalistischen Vorgänger auszeichnen, verzichten diese Werke auf Vorstellungen von Ordnung und Macht und ermöglichen es dem Betrachter, sich auf die den Werken innewohnenden menschlichen Eigenschaften der Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit einzulassen.

Isa Genzken Hauser & Wirth London, Savile Row 15. November 2012 – 12. Januar 2013