Christian Bracht im Gespräch mit Harald Christ

Fotografie von Steffen Roth.

Der unerbittliche Krieg gegen die Ukraine findet auch nach zwei Jahren kein Ende. Umso entscheidender, ein bedeutendes Zeichen der Solidarität zu setzen. Dieser Aufgabe nimmt sich der Politiker und Unternehmer Harald Christ im Rahmen seiner Harald Christ Stiftung für Demokratie und Vielfalt an. Bei der von ihm ins Leben gerufenen Benefiz-Operngala “Rebuild Urkraine” am 19. April im Konzerthaus Berlin werden insbesondere Spenden für ukrainischen Kinder gesammelt. Trotz des düsteren Hintergrundes ist es eine Veranstaltung, die Hoffnung macht und den Einfluss von Kunst und Kultur als Zeichen der Solidarität ehrt und vermittelt. SLEEK hat Harald Christ getroffen und nachgefragt.

Christian Bracht: Wie kam es dazu, dass Sie sich entschieden haben, sich aktiv für die Ukraine einzusetzen und eine Benefiz-Operngala ins Leben zu rufen?

Harald Christ: Mein Engagement für die Ukraine hat eine lange Geschichte: Schon vor mehr als 30 Jahren habe ich in meiner rheinhessischen Heimat gemeinsam mit Freunden einen Verein gegründet, um nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl strahlengeschädigten Kindern und Familien Erholungsaufenthalte zu ermöglichen. Darüber hinaus wurden auch Hilfsgütertransporte organisiert. Ich war schon oft in Kiew. In Russland war ich im Übrigen nie. Daher ist die Benefiz-Operngala zugunsten der Ukraine jetzt für mich auch eine logische Fortsetzung dieses Engagements in sehr schwierigen Zeiten.

CB: Welche konkreten Ziele und Projekte verfolgt die Harald Christ Stiftung im Rahmen Ihrer Initiative für die Ukraine?

HC: Das Geld, das wir über die Spenden und über den Ticketverkauf einnehmen, fließt in die Ukraine. Unter anderem fördern wir damit das Projekt #WeAreAllUkrainians, das unter anderem von Wladimir Klitschko initiiert wurde. Das Projekt baut Gemeinschaftszentren für traumatisierte Kinder in der Ukraine, hier bekommen die Kinder psychische und medizinische Unterstützung, aber sie können auch Bildung nachholen. Diese Hilfe wird jetzt benötigt und nicht später, daher stehen die Kinder in diesem Jahr im Fokus unserer Gala. Aktuell führen wir Gespräche, welche weiteren Projekte wir außerdem noch in der Ukraine unterstützen können.

"Dieses Thema geht uns alle an: Die Politik, die Gesellschaft, die Wirtschaft."

CB: Warum haben Sie sich für eine Benefiz-Operngala entschieden, um Unterstützung für die Ukraine zu mobilisieren, und warum gerade das Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt als Veranstaltungsort?

HC: Die Idee ist gemeinsam mit dem ehemaligen Kulturstaatssekretär Dr. Alard von Rohr entstanden. Er ist der künstlerische Leiter der Operngala und bringt hier enorme Expertise mit: Dadurch konnten wir Weltklasse-Opernstars gewinnen: Namhafte Künstlerinnen und Künstler, die ohne Gage spielen. Der Abend soll festlich sein, aber auch zum Nachdenken anregen, es wird politische Impulse geben. Wir feiern keine Party. Der Anlass ist klar. Und dazu ist das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin genau der richtige Ort. Die Operngala bringt viele Menschen aus Politik, Wirtschaft, Medien, Gesellschaft und Kultur zusammen und ist daher auch eine Netzwerkveranstaltung. Eine große Aufmerksamkeit für diese Gala und damit auf den noch immer andauernden Krieg in der Ukraine und das große Leid der Menschen ist genauso wichtig wie die Spenden. Denn die Ukraine darf in der Öffentlichkeit nicht aus dem Fokus geraten.

CB: Wie ist es Ihnen gelungen, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, als Schirmherrin bzw. Co-Schirmherr für die Operngala zu gewinnen?

HC: Dieses Thema geht uns alle an: Die Politik, die Gesellschaft, die Wirtschaft. Der Wiederaufbau der Ukraine ist eine Gemeinschaftsaufgabe, eine Verantwortung, die uns alle betrifft. Die Benefiz-Operngala ist daher eine gute Gelegenheit, Flagge zu zeigen. Und ich freue mich daher sehr, dass wir EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als Schirmherrin und den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner als Co-Schirmherrn für diese gemeinsame Sache gewinnen konnten.

"Kunst und Kultur sprechen eine Sprache, die jeder versteht."

CB: Inwiefern sehen Sie die Benefiz-Operngala als ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine, und welche Wirkung erhoffen Sie sich durch diese Veranstaltung?

HC: Durch unser namhaftes Kuratorium und auch durch die große Welle der Unterstützung, die wir bislang erfahren, können wir ein Signal in die Ukraine senden. Die öffentliche Aufmerksamkeit für das vom Krieg gebeutelte Land spielt auch in politischen Entscheidungsprozessen eine Rolle, im Februar sind es nun schon zwei Jahre! Zwei Jahre unmenschliches Leid, zwei Jahre Zerstörung, zwei Jahre Krieg! Wir wollen dafür sensibilisieren, denn unabhängig wie lange der Krieg noch dauert: Der Weg des Wiederaufbaus ist lang und muss eher heute als morgen beginnen. Russland darf aus diesem Krieg nicht als Sieger hervorgehen. Die öffentliche Aufmerksamkeit für diesen Krieg schwindet, doch er geht uns alle an! Ich hoffe daher auf eine Signalwirkung: Hohe Aufmerksamkeit und natürlich auch viele Spenden, damit wir vor Ort helfen können.

CB: Welche Rolle spielen Kunst und Kultur aus Ihrer Sicht in der Förderung von Demokratie und Vielfalt, insbesondere im Kontext der Ukraine-Initiative?

HC: Eine sehr wichtige Rolle: Kunst und Kultur verbindet und schafft Gemeinsamkeiten, kann Brücken bauen. Kunst und Kultur sprechen eine Sprache, die jeder versteht. Es treten daher selbstverständlich auch ukrainische Künstlerinnen und Künstler im Konzerthaus auf. Und wir freuen uns natürlich, wenn wir auch viele Kulturschaffende an diesem Abend begrüßen dürfen.

CB: Wie können Menschen, die Ihre Initiative unterstützen möchten, sich aktiv beteiligen und einen Beitrag zur Unterstützung der Ukraine leisten?

HC: Jede Spende ist willkommen! Es gibt auch noch Karten für den Abend zu kaufen. Und wer uns noch mit Ideen unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, auf uns zuzukommen.