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Es gibt Regisseure, die ein Thema abarbeiten und weitergehen. Und es gibt Baz Luhrmann, für den eine Obsession niemals endet, sondern sich in immer neuen Schichten entfaltet. Drei Jahre nach seinem opulenten Biopic Elvis kehrt der australische Filmemacher mit EPiC: Elvis Presley in Concert zur ikonischen Figur zurück – und inszeniert dabei weniger einen Film als eine cineastische Séance.
Im Interview, das SLEEK führte, wird schnell klar: Luhrmann ist kein Dokumentarfilmer im herkömmlichen Sinne. Er ist ein Kurator des Mythos, ein Archivar der Emotionen. „Es ist weder ein Dokumentarfilm noch ein Konzertfilm”, erklärt er, „es ist eine Art Gedicht, eine Traumlandschaft, in der Elvis seine eigene Geschichte erzählt.”
Film Still by Universal Pictures
Was Luhrmann aus den Tresoren von Warner Bros. geborgen hat, grenzt an Archäologie: 68 Kisten mit 35-mm- und 8-mm-Material aus den frühen Vegas-Jahren, darunter nie gesehene Aufnahmen der legendären „Gold Jacket”-Performance von 1957 aus Hawaii. Das meiste Material war stumm. Zwei Jahre dauerte es, die Bilder mit den Audioaufnahmen zu synchronisieren. Dann der Fund: eine 40-minütige Aufnahme, in der Elvis über sein Leben spricht. „Die Menschlichkeit darin, die Bescheidenheit”, sagt Luhrmann, „ich konnte mich dieser Verantwortung nicht entziehen.”
Das Paradox, das Luhrmann fasziniert, ist zeitlos: der arme Junge aus East Tupelo, dessen Vater ins Gefängnis wandert, der in einem der weißen Häuser der schwarzen Community aufwächst – und Elvis erschafft. „Diese Spannung zwischen dem gottähnlichen, ikonischen Bild und diesem Kind”, sagt er im Interview, „und natürlich das Eindringen dieses toxischen Jahrmarktsschreiers” – gemeint ist Colonel Tom Parker, der Manager, der Elvis wie eine Attraktion vermarktete.
Besonders erhellend ist Luhrmanns Analyse der Vegas-Residency. Auf die Frage, ob Las Vegas Elvis Gefängnis war, antwortet er differenziert: „Was Sie im Film sehen, ist die allererste Show, in der Elvis denkt, er wird damit auf Welttournee gehen.” Doch aus Wochen wurden sieben Jahre. „Der Vegas-Showroom wird wie ein Käfig. Er hat diese Flügel gebaut, um in die Welt zu fliegen, aber er kann sie nicht nutzen.” Ein Vogel, der gegen eine Glaswand fliegt – Luhrmanns Metapher für den Niedergang ist präzise und schmerzlich.
Film Stills by Universal Pictures
Was überraschte Luhrmann am meisten an Elvis? „Er ist lustig. Selbstironisch, sogar albern.” Hinter dem physischen Gott verbarg sich der unsichere Junge aus Tupelo. Und auf der Bühne? „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich sowohl auf der Bühne fühlt. Außerhalb der Bühne vermutlich niemanden, der sich so unwohl fühlt.”
Für Luhrmann, bekannt für seine maximalistischen Inszenierungen von Moulin Rouge bis The Great Gatsby, war EPiC eine Befreiung: „Ich hatte nicht die Belastung, die Bilder zu bekommen.“ Mein Hauptdarsteller war ziemlich talentiert.” Die Kritiken bestätigen den Erfolg:
Owen Gleiberman von Variety nannte EPiC einen der aufregendsten Konzertfilme aller Zeiten, während andere die restaurierte Bildqualität als spektakulär lobten.
EPiC ist mehr als ein Nachschlag zum Biopic. Es ist Luhrmanns Versuch, Elvis jene Welttournee zu geben, die ihm verwehrt blieb. „Ich wollte ihm die Welt geben, die er verdient hat”, sagte er im Interview. Und so wird EPiC selbst zur Erfüllung eines Traums – nicht nur Elvis, sondern auch Luhrmanns. Der Regisseur als Medium, das den Künstler von den Fesseln der Geschichte befreit. In Luhrmanns Händen wird Archivmaterial zu Mythologie, und Elvis Presley singt weiter – unsterblich, ungebunden, endlich frei.