Photography by Kristian Schuller.
Mit Mut, Vision und unermüdlicher Leidenschaft – so lässt sich der Weg von Torsten Rüther und seinem Filmprojekt Uppercut wohl am besten beschreiben. Ein Projekt, das ohne Fördermittel und komplett privat finanziert wurde – ein Risiko, das in der Filmbranche nur wenige eingehen. Im Gespräch erzählt Torsten Rüther, wie es ihm gelungen ist, internationale Stars wie Ving Rhames und Joanna Cassidy für ein deutsches Filmprojekt zu gewinnen, welche Herausforderungen er dabei meistern musste und warum Uppercut für ihn mehr ist als nur ein Film: eine Botschaft über die Kraft von Neugier und Begegnungen, die unsere Vorurteile hinterfragen.
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Christian Bracht: Uppercut wurde ohne Fördermittel und vollständig privat finanziert. Wie hast du es geschafft, ein Projekt von diesem Umfang durchzuziehen?
Torsten Rüther: Ich habe kurz vor der Premiere von Uppercut hier in Berlin eine Runde der sieben Family Offices initiiert, die in Uppercut investiert sind und die Menschen gefragt, warum sie das gemacht haben. Und die übereinstimmende Antwort von allen sieben war: Weil wir dir vertraut haben. Heißt, weil wir Milestones, die wir angesagt haben, auch eingehalten haben. Und das hat natürlich den Wert dieses ganzen Themas über diese zweieinhalb bis drei Jahre immer weiter gesteigert. Das haben die Investoren gesehen. Und sie haben auch gesehen, dass die Tatsache, dass wir uns nicht mit Förderungen und Ähnlichem beschäftigen, zweierlei Vorteile hat. A sind diese Anträge für Förderung ein wahnsinnig bürokratisches Unterfangen, das irre lange dauert und total viele Ressourcen bindet und b – und das ist in dieser Phase das Entscheidende – binden dich Fördergelder an Auswertungspflichten, das heißt, du kannst nicht einfach mit dem Film machen, was du willst, sondern die Forderungen sind gebunden an Auswertungskomponenten.
Wenn es alles super läuft hier jetzt mit Lionsgate – in den USA ein Top 10 Studio – starten wir von null direkt in den Weltmarkt. Und das haben mir die Investoren als meine Vision geglaubt.
CB: Was hat dich angetrieben, trotz der enormen Herausforderung an diesem Film festzuhalten? Und gab es mal einen Punkt, wo du gesagt hast: Puh! Ich weiß nicht, ob ich das hinkriege!
TR: Oh ja, das waren dutzende schlaflose Nächte. Und es gab riesige Probleme, angefangen beim Streik der Autoren und Schauspieler, der genau in diese Zeit fiel in Hollywood bis zur Herausforderung, mit einem vergleichsweise sehr, sehr kleinen Budget klar zu kommen. Bei allen Risiken ging es aber nie darum zu sagen, man hört jetzt auf. Sondern die Frage, die wir uns immer gestellt haben, war: Wenn es so nicht geht, wie geht es dann? Das war immer der Reflex. Und wir haben immer Antworten gefunden. Das war irgendwie faszinierend.
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CB: Euch ist es gelungen, mit Ving Rhames und Joanna Cassidy internationale Stars aufbieten zu können. Wie hast du sie überzeugt, für ein Projekt aus Deutschland?
TR: Bei Ving Rhames muss man ein bisschen die Hierarchie in Hollywood kennen. Das haben wir relativ schnell durch unsere amerikanischen Partner gelernt. Als erstes brauchst du einen Casting Director und der muss das Buch gut finden. Das ist sozusagen der erste Proof of Concept, dass er das Buch liest. Wir hatten das große Glück, dass Matthew Berkowitz, mein Partner in New York City, als Produzent, Michelle Lewittkannte. Die Casting Directorin, die solche Kleinigkeiten besetzt hat wie Transformers und so was (lacht). Wir trafen uns und sie kam sie relativ schnell auf den Punkt, wie die Amerikaner bei Business immer schneller auf den Punkt kommen und sagt: What about this? Und dann bin ich halt vom Stuhl gefallen, weil ich gesagt hatte, ich hätte gerne einen tollen amerikanischen Schauspieler. Und dann sagte sie Let me try. Und der Rest ist History.
CB: Weil Ving Rhames sie sie kannte?
TR: Natürlich. Bei Joanna Cassidy war es anders, ich kannte sie über einen Festivaldirektor hier in Deutschland.
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CB: Was war die größte Herausforderung bei diesem Projekt?
TR: Als ich dann fertig war mit dem Cast, habe ich Brad Kramer angerufen , den Manager von Ving. Ich wollte ihn nur informieren, dass ich mich jetzt auf die Suche mache nach einem coolen amerikanischen Regisseur oder einer tollen amerikanischen Regisseurin, die das jetzt inszeniert. Und dass ich die Produktion mache. Plötzlich war es still am Telefon und dann sagte er: Ving want you to direct it because he has seen the original. Das war der Moment der größten Herausforderung. Ich dachte okay, jetzt muss ich hier Regie machen, bei einem amerikanischen Hollywoodfilm. Es war dann aber eigentlich mit das Schönste.
CB: Musstest du große Kompromisse schließen?
TR: Kompromisse schließt du bei solchen Produktionen immer als Kreativer. Und die Kompromisse haben immer mit Geld zu tun. Beispiel letzter Drehtag, es ging um 8:00 h los, und dann klingelte um 5:00 h das Telefon. Matthew rief mich an und sagte: Okay, we don’t have the money for the scene, you have to rewrite it. There is a lot of stuff missing. Er hatte kein Geld mehr für die Szene mit der Pressekonferenz mit 40 Reportern. Also habe ich mich dann 5:15 h hingesetzt und gesagt: Okay, verlegen wir die Konversation des Reporters Philipp Dippons auf nach der Pressekonferenz, und machen den Rest mit Sound. Anderthalb Stunden vor Shooting, das war sportlich.