Lucio101: Zwischen den Straßen Brasiliens und Berlins

Die Sonne brennt auf die Straßen Brasiliens. „Hier fühle ich mich geerdet. Das ist wie so eine Therapie“, sagt der Rapper Lucio101 über seine regelmäßigen Reisen nach Brasilien. Während viele in seiner Branche im Berliner Winter zu Drogen greifen, hat er einen anderen Weg gewählt: die Rückkehr zu seinen Wurzeln. Lucio101 ist deutsch-brasilianischer Rapper. Wer ihn trifft, merkt schnell, dass er keiner ist, der sich neu erfinden will. Sondern einer, der längst weiß, woher er kommt. Einer, der nicht versucht, das Milieu hinter sich zu lassen, sondern es als Fundament begreift.

„Am meisten hat mich wirklich meine Stadt geprägt, meine Wurzeln und der Ehrgeiz, irgendwas aus mir zu machen“, sagt er.

Während Berlin für viele eine Projektionsfläche oder ein Versprechen ist, ist sie für Lucio101 vor allem eins: sein Ausgangspunkt. Es ist die Stadt, die zum Nährboden für den Rap-Künstler wurde. „Das hier ist mein Büro“, sagt Lucio über die Straßen. Die Straße ist sein Arbeitsplatz, seine Inspirationsquelle, sein Zuhause. Diese Authentizität spiegelt sich in seiner Musik wider – er rappt nicht über ein Leben, das er sich ausgedacht hat, sondern über das Leben, das er kennt.
Er beschreibt sich als „freisinnig, lebendig, kreativ, spirituell, ausgeglichen“. Für Lucio ist es vor allem die Neugier, die ihn antreibt. „Deutschland, allgemein Berlin, hat so ein kleines Limit, und man hat das so schnell durchgespielt.“ Seine Neugier richtet sich auf die ganze Welt. Die Musik hat ihm Türen geöffnet, verschiedene Städte, ihre unterschiedlichen Kulturen, Sitten und Slangs kennenzulernen.

„Man sagt immer, ein leerer Geist ist die Werkstatt des Teufels“, zitiert er.

 „Und ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich nicht Rapper geworden wäre.“ Die Erfolgserlebnisse seiner Karriere pushen ihn und bestätigen ihm, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat.

Lucio101 bewegt sich zwischen Welten – zwischen Deutschland und Brasilien. Dort sieht er, was echte Probleme sind. Menschen, für die kaltes Wasser beim Duschen Alltag ist, nicht eine bewusste Entscheidung. Während „in der westlichen Welt Leute rumheulen, dass sie ein schwarzes iPhone kriegen, aber ein weißes haben wollten.“ Diese Einsicht macht ihn demütig. „Die Leute sind viel dankbarer mit dem, was sie haben“, beobachtet er. Diese Dankbarkeit nimmt er mit zurück nach Berlin.

Seine Fans bekommen von dieser weichen, verletzlichen Seite bewusst wenig zu sehen. Er ist eine öffentliche Person, postet Stories, macht TikToks, hat bei Filmen mitgespielt – ist offen für viele Dinge. Aber die tieferen Schichten seiner Persönlichkeit behält er für sich und die Menschen, die ihm nahestehen. Das ist keine Verschlossenheit, sondern notwendige Abgrenzung. Deshalb seine Rituale, seine Reisen, sein Festhalten an den Wurzeln. „Ich muss immer ein bisschen auf meine Seele aufpassen“, sagt er über sein Leben als öffentliche Person. Diese Achtsamkeit ist Teil seines Überlebens in einem Business, das viele verschlingt. Er hat gesehen, was mit Künstlern passiert, die diesen Schutz nicht haben.

Fashion war schon immer Teil seiner Welt, doch durch die Kooperation mit Reebok als Deutschland-Ambassador hat dieser Bereich eine neue Dimension bekommen. Dass ein Straßenrapper Ambassador wird, ist keine Selbstverständlichkeit. „Übertrieben krass“, sagt er. „Vor allen Dingen, dass Reebok so cool drauf ist und mir vertraut.“ Denn Straßenrapper sind, wie er selbst sagt, „nicht die kampagnenfreundlichsten Artists“. Umso mehr schätzt er das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, und will das Beste daraus machen. Für ihn ist es eine Marke, die man im Alltag tragen kann. Man erkennt einen Reebok-Schuh an seiner Form, auch ohne das Logo sehen zu müssen. Die Silhouetten bleiben sich treu, verändern sich nicht mit jedem Trend. Genau diese Beständigkeit, Zeitlosigkeit und diese Authentizität ohne ständige Neuerfindung schätzt er.

Der Slogan der Marke Born Classic. Worn for Life hat für ihn eine besondere Bedeutung. „Classic“ bedeutet für Lucio ohne viel ‚Schnickschnack‘. Ein Reebok-Schuh lässt sich überall tragen: in Berlin wie in der brasilianischen Favela, beim Fußballspielen wie zur Hochzeit mit Anzug. Diese Vielseitigkeit, diese Anpassungsfähigkeit und Authentizität ist es, die ihm gefällt. Und so hat er den Claim für sich umgedeutet:

Born Classic. Worn for the Block.

Denn sein Zuhause, sein Büro, sein Element – das ist die Straße, der Block. Die Partnerschaft mit Reebok sieht er als Beginn von etwas Größerem. Er ist ready für neue Erfahrungen, neue Herausforderungen und Projekte – ready, sich weiter in der Kunst auszuleben. Seine Botschaft ist einfach, aber treffend: „Bleibt euch allen selbst treu, sodass ihr in den Spiegel gucken könnt und lächeln könnt.“ Es ist mehr als ein Rat an andere – es ist sein eigenes Lebensmotto, das Credo, nach dem er selbst lebt.

„Jeder soll sich selbst treu bleiben, egal ob es ein Fashion-Designer ist, egal ob es ein Rapper ist. In jeder Art von Kunst einfach sich selbst treu bleiben.“

Lucio101 ist jemand, der seine Wurzeln nie vergisst. Kein Vergessen, sondern bewusstes Zurückkehren zu ihnen. Immer wieder reist er nach Brasilien, zu den Menschen, die mit so viel weniger auskommen müssen und doch so viel mehr Dankbarkeit zeigen. Er ist der „bunte Hund“ von früher geblieben, der jeden kennt und mit jedem redet. Der Kontostand mag sich geändert haben, vielleicht auch die Zahl der falschen Freunde, aber im Kern ist er derselbe geblieben. Er bleibt den Straßen Berlins verbunden, die ihn geformt haben, die sein Büro sind. Und in diesem Büro, zwischen den Menschen, den Geschichten, dem wahren Leben, da ist er zu Hause. Da findet er die Inspiration für seine Musik, da findet er die Kraft für seine Kunst, da findet er sich selbst.