Courtesy of ORIGINS.
SleekDie Ausstellung wurde ja bereits in Leipzig gezeigt. Was bedeutet es für euch, diese Ausstellung in den Reinbeckhallen zu zeigen, und wie nutzt ihr die besondere Industriearchitektur?
Paolo Löffler: Für uns ist der Schritt von Kunstkraftwerk Leipzig nach Reinbeckhallen Berlin nicht einfach eine weitere Location – es ist eine bewusste Weiterentwicklung des Projekts. Die Reinbeckhallen mit ihrer historischen Industriearchitektur bieten einen kraftvollen Rahmen für die Ausstellung ORIGINS – Life’s Epic Journey: Die hohen Hallen, die rohen Materialien, das Spiel von Licht und Schatten – all das verstärkt die Immersion und macht die Arbeit der Kunst-, Technologie- und Wissenschaftsdisziplinen fühlbar. Wir nutzen bewusst die Architektur als Teil der Erzählung: Vom industriellen Ort zur immersiven Reise zurück zu den Ursprüngen – also von Technik und Mensch heute hin zu Entstehung und Urkraft. So wird das Gebäude quasi zum Teil des Gesamtkunstwerks, nicht nur zur Hülle.
Sleek Was bedeutet Immersion für dich, und was macht Origins für dich zu einem „Gesamtkunstwerk“?
PL Immersion bedeutet für mich, dass das Publikum in eine neue Welt eintaucht – nicht nur durch Sehen, sondern auch durch Raumgefühl, Teilnahme und Bewegung. Eine Ausstellung wird dann zum Gesamtkunstwerk, wenn Kunst, Klang, Architektur, Wissenschaft und Licht zu einem einzigen Erlebnis verschmelzen. In Origins haben wir genau das angestrebt: über Acht Stationen, 360°‐Projektionen, Klanglandschaften, KI‐Kunst und VR‐Erlebnisse verbinden sich zu einer Reise, in der Technik und Emotion, Fakt und Magie zusammenfallen.
Courtesy of ORIGINS.
SleekWarum wurde das Thema der Entstehungsgeschichte des Lebens für diese Ausstellung gewählt?
PLDie Entstehung des Lebens ist ein faszinierendes Thema, das sich unserer Meinung nach ideal für eine immersive Inszenierung eignet. Es bleibt trotz aller Forschung voller Mysterien und regt die Fantasie an – z.B. wo im Universum könnte es noch Leben geben, und wie sähe es aus? Origins weckt die Neugier, unsere eigene Vorgeschichte neu zu entdecken. In der aktuellen Zeit, in der Fragen nach Herkunft und Zukunft drängender werden, soll die Ausstellung ein Gefühl für den langen, komplexen Weg der Natur vermitteln – und uns daran erinnern, dass wir nur ein winziger Teil einer unvorstellbar langen Geschichte sind.
SleekWelche Rolle spielt die KI-basierte generative Kunst in der Ausstellung? (Markos Kay)
PLKI-basierte generative Kunst spielt bei Origins eine gezielte, aber bedeutende Rolle. Sie kommt vor allem in zwei Bereichen zum Einsatz – in den fantasievoll wirkenden „Gefäßen des Lebens“ und in der Installation Abiogenesis des künstlerischen Leiters Markos Kay, einem international anerkannten Generativen- und KI-Künstler, dessen Werke bereits in renommierten Institutionen gezeigt wurden.
Gerade in der immersiven Hauptshow übernimmt die KI-Szene eine symbolische Funktion: Sie steht für die „Trial & Error“-Natur der Natur selbst. Durch ständige Rekombination, Anpassung und Weiterentwicklung entstehen komplexe und unerwartete Formen und Strukturen, die letztlich Leben hervorbringen – ein poetisches Sinnbild für Evolution und schöpferische Fantasie.
SleekWie schafft ihr die Balance zwischen künstlerischer Freiheit und wissenschaftlicher Korrektheit?
PLDie Balance zwischen Kunst und Wissenschaft war von Anfang an zentral und Teil der kuratorischen Entscheidungen. Origins ist bewusst eine künstlerische Inszenierung auf wissenschaftlicher Basis: Das Storyboard folgt den großen Meilensteinen der Entstehungsgeschichte und wurde gemeinsam mit Expert*innen entwickelt. Der Artistic Director Markos Kay selbst bringt auch einen starken wissenschaftlichen Hintergrund für die Thematik mit, da viele seiner Arbeiten sich mit biologischen und evolutionären Prozessen befassen. Gleichzeitig steht die künstlerische Inszenierung klar im Vordergrund – so sollen die visuellen Inszenierungen das Thema emotional und zugänglich vermitteln – nicht belehrend, sondern inspirierend und neugierig machend.
Sleek Wie habt ihr die internationalen Künstler:innen zusammengebracht – gab es einen gemeinsamen kreativen Prozess?
PLWir haben bewusst ein internationales Netzwerk aus Künstlerinnen und Studios verschiedener Disziplinen zusammengebracht, deren Stil perfekt zu den visuellen und thematischen Aspekten von Origins passt. Besonders ist, dass die immersive Hauptshow von mehreren international renommierten Digitalkünstlerinnen geschaffen wurde, vereint unter der künstlerischen Leitung von Markos Kay.
Ich habe dann die weiteren Ausstellungselemente und Installationen kuratiert und unter Einbindung unserer Kreativpartner & Artist entstand so ein kreativer Prozess, in dem verschiedene Handschriften und Perspektiven zu einem stimmigen Gesamterlebnis verschmolzen sind.
Sleek Was ist dein Lieblings Teil der Ausstellung?
PLSchwer zu sagen – eigentlich beeindruckt mich das Zusammenspiel aller Teile. Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es natürlich die immersive Hauptshow Origins: eine Inszenierung, die ich bereits sehr oft gesehen habe und die mich trotzdem jedes Mal aufs Neue fasziniert.
Sleek Wie würdest du die Atmosphäre beschreiben, die Besucher:innen hier erleben?
PL Die Atmosphäre ist für mich „kraftvoll-kontemplativ“. Man betritt die großen Hallen, fühlt sich klein – und dann entfaltet sich das Erlebnis aus Licht, Klang und Raum. Trotz der Monumentalität bleibt Raum für Reflexion und Staunen: Man spürt den Bezug zur Erde, zur eigenen Herkunft und Existenz.
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