Die Berlinische Galerie präsentiert Sibylle Bergemann

Sibylle Bergemann, Birgit, Berlin 1984 © Nachlass Sibylle Bergemann/OSTKREUZ. Mit freundlicher Genehmigung der Loock Galerie, Berlin.

Ein Zentrum für moderne Kunst, Architektur und Fotografie, Berlinische Galerie‘Die interdisziplinäre Sammlung des Museums beherbergt die zum Nachdenken anregende zeitgenössische Kunst Berlins. Die vielfältigen Ausstellungen des Museums befassen sich mit Kunst von 1870 bis heute und regen zum Nachdenken über die Entwicklung der zeitgenössischen Kunstszene Berlins an. Gleichzeitig sollen sie die Besucher in einen Raum einladen, in dem sie sich auf Kreativität, Gespräche und Entdeckungen einlassen können. 

An diesem Freitag, dem 24. Juni, lädt die Berlinische Galerie das Publikum ein, ihre neueste Ausstellung ‘Sibylle Bergemann, Stadt und Land und Hunde, Fotografien 1966–2010,’ die erste Retrospektive der in Berlin lebenden Fotografin seit ihrem Tod im Jahr 2010. Die Ausstellung erstreckt sich über vier Jahrzehnte und beleuchtet eine facettenreichere Seite von Sibylle Bergemann, einer Fotografin, die vor allem für ihre Mode- und Porträtfotografie bekannt ist. Die Ausstellung bietet zwar einen Einblick in diesen Aspekt ihres Schaffens, zielt jedoch darauf ab, ein umfassenderes Bild von Bergemanns Werken zu vermitteln und dabei in einen persönlichen Bereich der Fotografie vorzudringen, in dem sie sich mit der weiblichen Identität, der urbanen Landschaft und Hunden – einem wiederkehrenden Motiv der Fotografin – auseinandersetzt. 

Sibylle Bergemann, Selbstporträt, Schiffbauerdamm, Berlin 1986 © Nachlass Sibylle Bergemann/OSTKREUZ. Mit freundlicher Genehmigung der Loock Galerie, Berlin
Sibylle Bergemann, „Fenster“, Berlin, undatiert © Nachlass Sibylle Bergemann/OSTKREUZ. Mit freundlicher Genehmigung der Loock Galerie, Berlin.

Die Ausstellung umfasst eine umfassende Auswahl von über 200 Fotografien, von denen einige bisher unveröffentlicht waren, und ist in sechs “Kapitel” gegliedert – “Ein unsichtbarer Beobachter”, “Berlin”, “Frauen”, “Moskau, Paris, New York”, “Die Welt in Farbe” und “Zurück in Berlin”. Durch diesen chronologischen und thematischen Ansatz dient die Ausstellung als Leitfaden durch Bergemanns Gesamtwerk und offenbart ein komplexeres und facettenreicheres Bild des Künstlers. In jedem “Kapitel” steht Bergemanns Wunsch im Vordergrund, “zu wissen, was Menschen tun, wie sie aufeinander reagieren und mit welchen Dingen sie sich umgeben”; dabei begegnet der Betrachter einer Reihe intimer und tiefgründiger Porträts von Freunden, Bekannten und Fremden – bei denen es sich überwiegend um Frauen handelt. Die weibliche Identität ist ein immer wiederkehrendes Thema der Fotografin, die seit Mitte der 1970er Jahre Frauen in den unterschiedlichsten Situationen porträtierte: als Models, beim Tanzen und auf der Straße. Insbesondere durch ihre Porträts werden die Grenzen fotografischer Genres überschritten, sodass Dokumentation, Porträtfotografie und Mode in einem einzigen Bild vereint werden. Das Gleiche gilt für Bergemanns weibliche Motive, die nicht auf eine einzige Darstellungsweise festgelegt sind, sondern in ihrer Komplexität und Authentizität gezeigt werden.

Sibylle Bergemann, Marisa und Liane, Sellin 1981 © Nachlass Sibylle Bergemann/OSTKREUZ.

Andere Bilder der Ausstellung zeugen hingegen von Bergemanns Faszination für Form und Komposition in der städtischen Landschaft. Dies zeigt sich in ihren Aufnahmen von Berlin, einer Stadt, in der sie sich inmitten großer Umbrüche wiederfand: dem Bau der Mauer, der anschließenden Teilung Deutschlands und schließlich der Wiedervereinigung. Bergemanns monochrome Bilder dokumentieren den sich radikal wandelnden politischen Kontext der Stadt und zeugen zugleich von ihrer mutigen Suche nach einem unverwechselbaren Stil in einer Zeit, in der die künstlerische Autonomie unter kommunistischer Herrschaft stark eingeschränkt war. Trotzdem arbeitete Bergemann weiterhin freiberuflich für eine Reihe von Kunst- und Kulturzeitschriften und war schließlich 1990 Mitbegründerin der Fotoagentur “Ostkreuz”.

Sibylle Bergemann, Bernauer Straße, Berlin 1990 © Nachlass Sibylle Bergemann/OSTKREUZ. Mit freundlicher Genehmigung der Loock Galerie, Berlin.

Kuratiert von Thomas Köhler ‘Sibylle Bergemann – Stadt und Land und Hunde. Fotografien 1966–2010’ von Katia Reich ist eine umfassende Retrospektive einer Frau, die die Geschichte der deutschen Fotografie maßgeblich geprägt hat. Sibylle Bergemanns Bilder sind wunderschön und faszinierend, voller Tiefe und Wahrheit, in denen Fiktion und Realität zu einer fesselnden, zum Nachdenken anregenden visuellen Erzählung verschmelzen. 

Sibylle Bergemann: Stadt und Land und Hunde. Fotografien 1966–2010 ist vom 24. Juni 2022 bis zum 10. Oktober 2022 in der Berlinischen Galerie zu sehen. 

Anhören SLEEK im Gespräch mit Dr. Thomas Köhler.