Daniel Josefsohn: Ich möchte, dass Berlin wieder gut aussieht

 
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Daniel Josefsohn, Der Künstler und langjährige Sleek-Mitarbeiter ist letzte Woche im Alter von 54 Jahren verstorben. Der in Hamburg geborene Provokateur war einer der einflussreichsten zeitgenössischen Fotografen Deutschlands und bekannt für seine scharfen, intelligenten und bisweilen zynischen Porträts der modernen Gesellschaft. Mit die letzte Studiobesuch bei did with Josefsohn für SLEEK 47 wir erinnern uns an den Künstler, sein Werk und seinen Witz.
 
Berlin Wedding: lebendig, trashig, ikonoklastisch, Heimat vieler Künstler. In einem der vielen Hinterhöfe entdeckt Sleek den Schriftzug “Studio Josefsohn”, der schief auf eine Türklingel gekritzelt ist, und betritt das dunkle, stille Treppenhaus. Niemand ist zu sehen, schon gar nicht der Künstler. Schließlich finden wir im vierten und letzten Stockwerk eine Tür, an die wir klopfen können. Der Künstler, mit rothaarigem Bart und einer Zigarette im Mund, empfängt uns: “Vorsicht, passen Sie auf, dass die Katze nicht entkommt.”
Wir befinden uns in einem großzügigen Raum, der gleichzeitig Atelier und Wohnraum ist. An den Wänden und in den Regalen stapeln sich Werke aus den vergangenen Jahrzehnten - alles ist im Fluss. Josefsohn plant eine Renovierung, will einige Wände einreißen, mehr Platz für sich, seine Arbeit und seine Ideen schaffen. Er erklärt: “Meine Herangehensweise ist im Laufe der Jahre immer konzeptioneller geworden, ich verbringe viel Zeit damit, über die Werke nachzudenken, anstatt spontan zu schaffen.” Unser Blick wandert weiter, zu einer Ecke, in der sich viele Transportmittel stapeln, darunter ein großes, tarngrünes Fahrrad mit hebräischen Schriftzeichen, der Rollstuhl des Künstlers und Skateboards, die für eine kürzliche Einzelausstellung produziert wurden.
 
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Josefsohn reißt uns aus der Träumerei: “Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?” Als er die Milch aus dem Kühlschrank holt, bemerkt Sleek eine Postkarte, auf der der Davidstern durch ein Hakenkreuz ersetzt wurde. “Das wird ein Kopfkissenbezug werden. Ich produziere ihn in Zusammenarbeit mit der Modedesignerin Claudia Skoda. Das Hakenkreuz wird zusammen mit dem Satz “Jude, Israeli, jetzt behindert” aufgestickt werden. Das muss man doch in Deutschland zu Geld machen können".
Es ist nur eines von Josefsohns Projekten mit autobiografischen Elementen. Verweise auf seine Jugend, sein Skateboarding oder die wilden 1980er Jahre - jeder Lebensabschnitt ist in sein künstlerisches Schaffen eingewoben, doch Raum und Zeit werden nicht linear angegangen. Der Fotograf überschreitet auch die Grenze zwischen dem Malerischen und dem Skulpturalen, wie bei “21MoslBuddJewChristHinDao. Unifaith. Damit wir uns endlich riechen können.“ („21MoslBuddJewChristHinDao. Unifaith. Damit wir uns endlich vertragen können.“) Ein Parfüm, das er mit Blick auf den Weltfrieden kreierte. Als solches ist es wahrscheinlich eines der wenigen Parfums, dessen Wert über den einiger weniger Inhaltsstoffe hinausgeht. Gleichzeitig ist es eine Demonstration von Josefsohns Meisterschaft, das Kommerzielle mit dem Künstlerischen zu vereinen.
“Ich würde gerne wieder etwas mit Berlin machen. Damit es gut aussieht.” Als ehemaliger künstlerischer Leiter der Volksbühne hat Josefsohn eine langjährige Beziehung zur Hauptstadt. Beim Blick in das Atelier des Fotografen wird deutlich, dass die gezeigten Werke zeitlos sind und die Kunst durch ihren neuen Standort ein zweites Leben erhält. Und so ist es nicht nur sein Atelier, das erweitert wird, sondern auch der Rahmen seiner Werke.
 
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Fotografie von Peter Kaaden Text von Mario Lombardo & Stephanie Baumgärtner