David Bowie, New York, 1984, Foto von Greg Gorman, Quelle: Sleek Art
Wir gedenken der Pop-Legende David Bowie, der Anfang dieser Woche verstorben ist, und präsentieren Ihnen alles, was Sie über seine “Berliner Jahre” wissen müssen.
Blue Punch Duke live, 1976, Foto von davidbowie.com
Drogen
Bowie war dafür bekannt, seine Figuren “sterben zu lassen”, bevor er rasch zur nächsten überging. Doch 1976 fiel es ihm schwerer, den kokainabhängigen “Thin White Duke” abzuschütteln. Sein Umzug nach Berlin war ein Versuch, relative Anonymität zu finden und ein Umfeld zu schaffen, in dem er sich von diesem Alter Ego und seiner Sucht befreien konnte. Jeden Tag fuhr er in einem Overall mit dem Fahrrad ins Studio, und die Berliner – damals genauso eiskalt wie heute – ließen ihn in Ruhe. „Aus irgendeinem Grund war es den Berlinern einfach egal, jedenfalls nicht, was einen englischen Rockstar anging“, sagte er später.
Brian Eno, Robert Fripp und David Bowie bei den Aufnahmen zu „Heroes“, Foto via Pinterest (musicabellezayverdad.blogspot.de)
Die Berlin-Trilogie
Während seines Aufenthalts in Berlin schrieb und nahm er in den Hansa-Studios den Großteil der drei Alben auf, die oft als seine von der Kritik am meisten gelobten Werke gelten: “Low”, “Heroes” und “Lodger”. “Lodger”, das experimentellste und am wenigsten kommerzielle der drei Alben, war eine Postkarte an seine missbilligende Plattenfirma, auf der er die Zerstörung von “David Bowie, dem Popstar” ankündigte; das Cover zeigte einen Bowie mit gebrochenen Gliedmaßen, der zerschmettert auf dem Boden lag.
Die Mauer Der Titelsong von “Heroes” handelt von einem Paar, das sich heimlich im Schatten der Berliner Mauer traf – an der Bowie auf seinem Weg ins Studio vorbeikam. Der damalige Bürgermeister der Stadt, Michael Müller, sagte: “Heroes” wurde “zur Hymne unserer damals geteilten Stadt und ihrer Sehnsucht nach Freiheit.”
Iggy Pop und David Bowie, Foto: BLOUIN ARTINFO
Iggy
Als ob die Zeit in Berlin für Bowie nicht schon produktiv genug gewesen wäre: In dieser Zeit wirkte er auch an den Alben “The Idiot” und “Lust for Life” seines Freundes Iggy Pop mit. Oft fälschlicherweise als Mitbewohner bezeichnet, wohnten die beiden jedoch tatsächlich im selben Wohnhaus in Schöneberg.
David Bowie im Jahr 1977, Foto von davidbowie.com
Neukölln
“Neuköln” [sic] ist ein Song auf dem Album “Heroes”. Musikkritiker haben das Instrumentalstück von Bowie und Brian Eno als Kommentar zu den Gefühlen der “Gastarbeiter” interpretiert – meist türkische Einwanderer, die zum Wiederaufbau der Stadt herangezogen und im heruntergekommenen Stadtteil Neukölln untergebracht wurden. Auch heute noch ist dies ein überwiegend türkisch geprägtes Viertel, doch mittlerweile leben die Türken dort Seite an Seite mit einer größtenteils englischsprachigen Künstlergemeinde, von der man vermuten könnte, dass sie von der kreativen Freiheit und dem Erbe von Bowies “Berliner Jahren” hierher gelockt wurde.
David Bowie, „Low“, Bildquelle: musictech.net
Stil
Bowie sagte einmal über seine Zeit in Berlin: “Näher an David Bowie kann man nicht herankommen.” Das spiegelte sich auch deutlich in seinem Stil wider, in dem kein Glitzer zu sehen war. Selbst die messerscharfen Schnitte, die zum „Thin White Duke“ gehörten, waren weicher geworden, fast so, als hätte Bowie im entspannten Stil Berlins Zuflucht gefunden. Und diese Tendenz hat sich nicht geändert: Wer in die deutsche Hauptstadt zieht, wird feststellen, dass sich seine Farbwahl unaufhaltsam auf einen einzigen Farbton zubewegt – Schwarz. In dieser Zeit waren die Kleidungsstücke, die Bowie trug – ebenso wie die Alben, die er produzierte – stilistisch die beständigsten aller seiner Looks. Man muss nur an seinen schweren schwarzen Ledertrenchcoat denken, der eng über einem Anzug gegürtet ist und seitdem weltweit Herrenmodekollektionen inspiriert hat. Von seinem Stil über seine Musik bis hin zu seinen Texten hat Bowie der Welt ein beispielloses Vermächtnis an Freiheit und Kreativität hinterlassen, das noch viele kommende Generationen beeinflussen wird.
Text von Jessica Hannan
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