DESIGN IM WANDEL – DIE FRONT DES BMW 3er

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WIE DER NEUE BMW i3 ENTSTAND UND WARUM DER DESIGNPROZESS MANCHMAL AUCH EINEN UMWEG DURCH DAS ARCHIV NIMMT.

Es gibt einen Moment im Designprozess, sagt OLIVER HEILMER, Leiter BMW Design Kompaktklasse, Neue Klasse und BMW M, in dem eine Idee aufhört, eine Idee zu sein. Es ist nicht der Moment, in dem die erste Skizze entsteht. Es ist der Moment, in dem man etwas drehen kann. Wenn aus einer Linie Volumen wird. Wenn aus einem Gedanken ein Objekt wird. Digital oder analog – das spielt keine Rolle. Entscheidend ist die dritte Dimension, der Raum, der plötzlich antwortet. Der neue BMW i3, das Herzstück der sogenannten Neuen Klasse, begann mit einem Begriff. Nicht mit einem Briefing. Nicht mit Marktforschungsdaten. Der Vorstand zog sich zurück, dachte nach, bis an einem frühen Morgen das Wort fiel: Neue Klasse. Aufbruch. Neuanfang. Für das Designteam bedeutete das etwas Radikales: keine Weiterentwicklung, sondern einen Bruch. Alles beiseite legen, was scheinbar wichtig ist. Die letzte vergleichbare Zäsur in der BMW-Geschichte hatten die Modelle der Neuen Klasse rund um den BMW 1500 der 1960er Jahre markiert. Nun war wieder eine fällig.

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Was folgte, war kein linearer Prozess. Im Archiv fanden die Designer alte Skizzen zur ursprünglichen Neuen Klasse – Zeichnungen ohne die charakteristische Doppelniere, reduziert auf eine große, klare Geste. Diese Erkenntnis wurde zum Leitfaden. Die Front des BMW i3 sollte nicht die Summe ikonischer Einzelelemente sein, nicht das bloße Aneinanderreihen wiedererkennbarer BMW-Zitate. Sie sollte etwas Neues sein. Und genau das sorgte für Reibung. Jeden Morgen um 7:30 Uhr traf sich das Team – nur, um über die Front zu sprechen. Heilmer sagt, dass es so etwas zuvor noch nie gegeben habe. Dieses tägliche Ringen: Was ist ein BMW? Was darf weg? Wie weit darf man gehen? Sogar der Vorstand war involviert. Ikonisches Design, so Heilmers These, entsteht zwischen einem klaren Bekenntnis zur eigenen Designgeschichte und dem bewussten Beschreiten neuer Wege. Ein Wiedererkennungstest mit der neuen Front verlief zunächst ernüchternd: Nur rund 30 Prozent ordneten sie BMW zu. Nach mehrmaliger Wiederholung kehrten sich die Zahlen um. Plötzlich erkannten alle sofort, was sie sahen, weil die Form vertraut wirkte, ohne sich unmittelbar einordnen zu lassen. Erst bei genauerem Hinsehen entfaltete sie ihre charakteristische Klarheit und wurde als BMW umso deutlicher erkennbar.

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Was von diesem Prozess übrig bleibt, sind Fragmente: Skizzen, die zu früh zu konkret wurden und deshalb verworfen wurden. Kritische Stimmen in Besprechungen, die im Nachhinein das Richtige bewirkt haben. Ein Entwurf, der im Vergleich zur Vergangenheit hätte entstehen können – und der deshalb keine Chance hatte, weil er, einmal als Modell gebaut, wie Beton wirkte: unbeweglich, unveränderlich, tot. Der fertige i3 lässt davon nichts nach außen erkennen. Der BMW i3 zeigt eine nach vorne geneigte Front, Räder, die in den Ecken stehen, und eine „Sharknose“, die BMW seit Generationen nicht mehr hatte. Er ist das Ergebnis eines Ringens, das die meisten nie sehen werden. Aber wer das Ringen kennt, sieht das Auto mit anderen Augen.

Wie vorgestellt in SLEEK #89 – PLAY