Erinnert euch an unser Fußball Eröffnung zu Beginn des Sommers? Ja, es war laut, geschäftig und voller Vorfreude. Klar, alle waren gespannt auf den Anpfiff der Weltmeisterschaft, den wir neben der Ausstellung auch in unserem SLEEK Art Space übertragen haben. Und gestern Abend fühlte sich alles etwas langsamer, wärmer und intimer an. Es war ein wunderbarer Moment, einen letzten Abend inmitten der Werke von Annique Delphine, Carlo Bellmann, Julius Bauer und Tom Stechert, kuratiert von Nisha Verdienst.
In den vergangenen Monaten hat sich die Ausstellung mit dem Fußball aus den Blickwinkeln von Erinnerung und Performance, Konsum und Gemeinschaft, Unterhaltung und politischer Realität auseinandergesetzt. Was uns am Ende davon in Erinnerung geblieben ist: Beim Fußball geht es auch um die Dinge, die uns in Bewegung halten – Ehrgeiz, Willenskraft, Stärke und die Entschlossenheit, weiterzumachen, auch wenn das Ziel noch weit entfernt erscheint.
Die ideale Person, um diesen Gedanken an unserem letzten Abend aufzugreifen, war der Bestsellerautor und Dramatiker Moritz Rinke. Er selbst ist seit jeher Fußballfan und Mitglied der deutschen Autoren-Fußballnationalmannschaft. Anlässlich der Finissage war Rinke bei uns zu Gast und sprach in einem persönlichen Gespräch über sein Werk, seinen Schaffensprozess und darüber, was ihn nach wie vor antreibt.
Nach dem letzten Applaus fragten wir Rinke, was ihn nach wie vor inspiriert: „Neugier“. Ein ziemlich passender Zufall, wenn man bedenkt, dass er keine Ahnung hatte, dass Neugier ist auch das Thema unserer kommenden SLEEK-Ausgabe #90, die im September erscheint.
Vielleicht ist das auch eine schöne Lektion, die man aus dem Fußball lernen kann, denn man betritt ja nicht einfach den Platz und schießt sofort das Siegtor, oder? Stattdessen muss man trainieren. Man versucht es. Man verfehlt das Tor und steht dann wieder auf. Schritt für Schritt baut man die Kraft und das Selbstvertrauen auf, um schließlich den Schuss zu versuchen.
“Man muss nicht gleich mit dem großen Roman anfangen. Man kann klein anfangen, mit Skizzen, Tagebucheinträgen oder was auch immer einem ganz natürlich von der Hand geht.” – Moritz Rinke
Im Laufe des Abends wurden unsere Gespräche von Getränken aus der SLEEK Bar begleitet. Und da die Tage wieder kürzer wurden, begann sich das Berlin vor unseren Fenstern bereits farblich zu verändern. Ein tiefes Orange des Sonnenuntergangs hüllte den Art Space in seinen Schein und tauchte die Werke und alle, die noch drinnen waren, in warmes Licht. Es fühlte sich fast so an, als würde die Ausstellung ihre eigene Abschiedsumarmung erhalten.
In diesem Sinne möchte ich mich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben.
Abpfiff. Ein gutes Spiel!
Alle Fotos von Lilly Wetzel.