Photography by CHRISTIAN SAUERLAND
GRENZKONTROLLE ist keine Band, die sich einfach kategorisieren lässt. Die Kölner Gruppe bewegt sich irgendwo zwischen Post-Punk, politischer Kunst und kultureller Collage - mit einer Haltung, die ebenso zentral ist wie ihre Musik. Was sie verbindet, ist weniger ein klar definiertes Genre als ein gemeinsamer Anspruch: die Gegenwart zu reflektieren, hörbar zu machen und letztlich zu verändern.
Frontmann Don L. Gaspár Ali veröffentlichte einen Aufruf in den sozialen Medien, und durch eine Reihe von Zufallsbegegnungen kam das vierköpfige Kollektiv schließlich zusammen. Sie besteht nun aus Schlagzeuger Roza Roth, Gitarrist Kodia Funk, Bassist Schuttland und Frontmann Don L. Gaspár Ali. Aus dieser scheinbar zufälligen Konstellation ist eine Formation entstanden, die ihre Dynamik gerade aus ihrer Vielfalt bezieht.
“Wir kommen aus sehr unterschiedlichen Kulturen. Die Musik, mit der wir aufgewachsen sind, und die Art und Weise, wie wir in unseren Familien und kulturellen Hintergründen erzogen wurden, prägt natürlich unseren Schreibprozess und die Art, wie wir heute Musik machen.”
Photography by CHRISTIAN SAUERLAND
Post-Punk-Bands der späten 1970er und frühen 1980er Jahre dienen als Inspiration. Doch der Einfluss liegt weniger im Sound als in der Haltung: der DIY-Geist des Punk, der Mut, einfach loszulegen, ohne groß nachzudenken. Die Songs entstehen oft durch Improvisation. Im Proberaum fängt jemand mit einem Riff an, ein Rhythmus setzt ein, ein Groove entwickelt sich, und die Instrumentalstücke wachsen von dort aus. Die Texte kommen in der Regel später und fangen ein, was bereits in der Luft liegt oder aus Gedichten erwächst, die der Bandleader in den Raum bringt. Ihre Musik geht mit der Zeit - sie fungiert als Resonanzraum für das, was in der Welt um sie herum geschieht.
“Wir sehen die Rolle eines Künstlers darin, die Zeit, in der wir leben, zu reflektieren. Und im Moment sind es sehr, sehr dunkle Zeiten. Wenn jemals ein Moment kommt, in dem es mehr Frieden gibt, mehr erschwinglichen Wohnraum, mehr von allem anderen, dann wären wir absolut bereit, andere Musik zu machen. Aber im Moment ist das die Realität, und deshalb halten wir radikal daran fest, bis sich etwas ändert.”
In einer Zeit, in der es “so viele Probleme in diesem Land und auf diesem Planeten” gibt, möchte die Band vor allem, dass die Zuhörer die Botschaften ihrer Lieder verstehen, dass sie sich der Probleme unserer Zeit bewusst werden, dass sie sich zusammentun und anfangen, als Gemeinschaft zu handeln und sich auf die eine oder andere Weise gegen das zu wehren, was sich derzeit abspielt.
Photography by CHRISTIAN SAUERLAND
Für GRENZKONTROLLE, Politik ist nicht nur eine Frage der Texte. Ihre bloße Anwesenheit ist bereits ein Statement. Die Konstellation der Band selbst mit ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, ihrem Stil und ihrer Bühnenpräsenz erzeugt eine Spannung zwischen dem, was das Publikum sieht und dem, was es hört.
Ihr Musikgeschmack ist ebenso grenzenlos. Auf Tournee hören sie alles: Techno, französische Chansons, türkische Volksmusik, kurdische Lieder oder Old-School-Hip-Hop. Jedes Mitglied bringt Einflüsse aus seinem eigenen Hintergrund mit und diese Mischung prägt auch ihren Sound.
Die gleiche Offenheit bestimmt auch ihre Einstellung zum Stil. Mode ist für sie ein Ausdruck von Identität. Ein wichtiger Bezugspunkt ist die Sapeur-Bewegung, in dem elegante Kleidung zu einem kulturellen Statement wird. Vor allem der Gitarrist und der Frontmann wurden davon beeinflusst, da sie in der kongolesischen Gemeinschaft aufwuchsen. Designer wie Comme des Garçons, Yohji Yamamoto und Issey Miyake inspirieren ihre Ästhetik ebenso wie Ikonen von Jimi Hendrix über Miles Davis bis hin zu Nina Hagen.
“Als Band richten wir uns immer nach dem, was wir fühlen. So sehen wir am Ende auch aus. Unser Aussehen spiegelt normalerweise unsere Gefühle wider. Für jeden von uns ist es wichtig, dass es wirklich von innen kommt, dass es nie etwas Künstliches ist.”
Photography by CHRISTIAN SAUERLAND
GRENZKONTROLLE wollen weder eine traditionelle Punkband noch ein Pop-Act sein. Vielmehr verstehen sie sich als eine Formation, die sich bewusst zwischen Szenen, Räumen und Publikum bewegt. Ihre Konzerte finden in heruntergekommenen Punkclubs genauso statt wie in großen Konzertsälen oder wie heute im Soho House in Berlin, fotografiert von Christian Sauerland.
Ihre Botschaft ist klar: Bleiben Sie wachsam, schauen Sie nicht weg und fragen Sie sich, welche Rolle Sie in dieser Welt spielen wollen.
“Liebe ist alles. Steh auf. Sei laut.”
Photography by EMMA-SOPHIE SOMBACH