In meinen Träumen gehörst du mir

Kim Novak in Panik, Dornröschen, das hilflos weint, eine ganze Schar vertrauter weiblicher Gesichter in großer Verzweiflung: So sieht die unheilvolle Kulisse aus, die das Künstlerduo McDermott und McGough für ihre neueste Ausstellung ‘In My Dreams You are Mine’ in der Pariser Galerie Jérôme de Noirmont geschaffen hat.

Diese Gemälde und Siebdrucke basieren auf Ausschnitten aus amerikanischen Filmen und Zeichentrickfilmen der 1940er- und 1960er-Jahre, die das damals aufkommende melodramatische Genre widerspiegeln. Die Standbilder sind von farbenfrohen Rechtecken umgeben, die sowohl an Comics als auch an Mondrian erinnern und ein Gefühl der Entwurzelung vermitteln – ein Ergebnis, das zugleich tragisch und leicht ist. 

“Filme oder Zeichentrickfilme interessieren uns nicht. Uns interessiert die conditio humana”, sagte der Künstler über die Ausstellung. Tatsächlich sind die Überinszenierung und die Übertreibung kein ästhetisches Ziel an sich, sondern eine Erforschung der Komplexität der Tragödie und des Miterlebens des Leids eines Anderen. Pathos? Mitgefühl? Identifikation? Die Vertrautheit der Gesichter und der Bildsprache erzeugt ein widersprüchliches Gefühl aus Leichtigkeit und Unbehagen, was zu einem kathartischen Ergebnis führt. In einem ähnlichen Kontrast wurden in früheren Ausstellungen bekannte Cartoons mit düsteren, ironischen Titeln wie ‘Romantik kann sterben wie eine Zigarette’ gegenübergestellt.

Abgerundet wird die Ausstellung durch Kartons von Brillo und Heinz, die bis zum Rand mit etwas gefüllt sind, das auf den ersten Blick wie Cartoons aus den 1950er Jahren aussieht, sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Trompe-l’œil-Skulptur entpuppt. Diese Anspielung auf Andy Warhol verdeutlicht die Täuschungskraft der heutigen Konsumkultur.

Zwar haben sich diese beiden Männer in den Achtzigerjahren durch ihre Zylinder (die sie auch heute noch tragen), abnehmbare Kragen und die Umgestaltung eines New Yorker Stadthauses in ein Wohnhaus im Stil des 19. Jahrhunderts einen Namen gemacht, doch ihre Weigerung, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, ist äußerst aufschlussreich für unsere heutige Zeit.

McDermott und McGough “In Dreams You’re Mine”
Bis zum 23. Januar 2013 
Galerie Jérôme De Noirmont