JELLA HAASE

ZUSAMMEN MIT ARMANI BEAUTY ÜBER ERFOLG, VERLETZLICHKEIT UND DIE SUCHE NACH UNERZÄHLTEN GESCHICHTEN.

2025 war für JELLA HAASE ein Jahr der Extreme - “gesegnet mit den tollsten Projekten”, wie sie sagt, aber auch überwältigt von der Geschwindigkeit, mit der sich alles entwickelte. Die Tränen, die sie während ihres morgendlichen Laufs vergoss, waren ein Ausdruck des Drucks, der endlich nachließ: “Ich musste einfach anfangen zu weinen. Richtig heftig. Weil mir klar wurde: Jetzt ist alles vorbei - das ganze Jahr.” Spätestens seit ihrem Durchbruch in der Fack ju Göhte-Trilogie (2013-2017) ist Haase in Deutschland ein Begriff. Ihre Rolle als Chantal machte sie quasi über Nacht zur Ikone einer ganzen Generation. Heute spricht sie offen über die Ambivalenz dieses frühen Erfolgs: “Manchmal schaue ich mir Bilder von mir an und denke: Hat das wirklich etwas mit meinem Leben zu tun?” Das Verhältnis zwischen ihrer öffentlichen Persona und ihrem privaten Ich beschäftigt sie zunehmend. Haase sagt, sie fange gerade an, sich zu entrümpeln - sowohl materiell als auch geistig. “Ich habe so viel angehäuft, als ich plötzlich sehr sichtbar wurde, und ich konnte wahrscheinlich gar nicht richtig begreifen, was da passiert.”
Ihre Strategie? Ein “gewisses Grundgefühl von Leichtigkeit”, wie sie es nennt. Nicht alles zu ernst nehmen, sich nicht einschränken lassen - vor allem in einem Beruf, in dem der eigene Körper ständig unter die Lupe genommen wird. “Ich glaube, das ist eine lebenslange Aufgabe”, sagt Haase. Sie betont, wie glücklich sie sich schätzen kann, so geliebt und akzeptiert zu werden, wie sie ist - eine innere Stärke, die sie gegen Kritik von außen abschirmt.

Was Haase von vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen unterscheidet, ist ihre Weigerung, sich in eine Schublade stecken zu lassen. Sie arbeitet sowohl mit Arthouse- als auch mit kommerziellen Projekten - immer noch ungewöhnlich in der deutschen Filmszene. “Die Deutschen tun sich schwer, wenn man beides macht”, sagt sie. Dabei ist es gerade diese Freiheit, die ihr wichtig ist. Nach Fack ju Göhte war eines klar: keine Wiederholung der Chan- talrolle, keine Festlegung auf ein Genre. Heute definiert Haase Erfolg weniger über Zahlen oder Kritiken als über Momente der Authentizität. Wenn junge Mädchen mit klopfendem Herzen vor ihr stehen und sagen: “Du bist doch die von Fack ju Göhte”, dann weiß sie, was sie geschaffen hat. “In den letzten zwei Jahren habe ich gelernt, damit zu leben - und daran zu wachsen.” Es ist eine Reife, die man spüren kann: keine Schüchternheit, sondern echte Dankbarkeit.
Die Arbeit mit Armani Beauty hat “Glamour in mein Leben gebracht”, sagt Haase. Sie hat die Freude am Glamour, am Streben nach Schönheit entdeckt - bei der Berlinale im Schnee, in Venedig zwischen den Booten. Sie genießt diese Momente. Doch ihr Partner holt sie danach wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: “Du bist jetzt wieder im richtigen Leben - hier gibt es keinen roten Teppich.” Haase scheint eine Balance zwischen dem Außergewöhnlichen und dem Alltäglichen gefunden zu haben. Schönheit definiert sie jenseits des Äußeren: “Ich finde Menschen sehr schön, die sich selbst treu bleiben - Menschen, die nicht das Gefühl haben, etwas für andere sein zu müssen.” Eine Definition, die auch auf sie zutrifft: eine junge Frau, die sich nicht in eine Schublade stecken lässt, Erwartungen hinterfragt und trotzdem ihren eigenen Weg geht.

All Photography by Robin Kater for Armani Beauty

Was Haase antreibt, sind unerzählte Geschichten. “Ich will immer wieder ehrliche Geschichten erzählen”, sagt sie - über Frauen in der Gesellschaft, Figuren, die kämpfen, suchen und ihren Weg finden. Im nächsten Jahr wird sie ihre erste englischsprachige Serie drehen - Die Päpstin, “feministisch und wild”, wie sie ankündigt. “Es fühlt sich an, als ob die Teile auf natürliche Weise an ihren Platz fallen.” Doch bei allem Erfolg bleibt eine Angst: nicht genug Zeit für die Menschen zu haben, die sie liebt. Deshalb kämpft sie für eine Auszeit und nimmt sich im nächsten Jahr bewusst Zeit für ihre Familie. Jella Haase sitzt in ihrem Kreuzberger Atelier und spricht von einem Ort, den sie schaffen will - ein Treffpunkt, an dem sich Freunde treffen, Wein trinken, Bilder an die Wände hängen. Vielleicht ist das ihr größtes Projekt: inmitten von Erfolg und Sichtbarkeit einen Raum zu schaffen, in dem sie einfach sie selbst sein kann. Eine Schauspielerin, die verstanden hat, dass die wahre Stärke nicht in der Naivität der Jugend liegt, sondern im bewussten Innehalten - und im Mut, nach vorne zu gehen.