Eva Otaño Ugarte. Bild von evaougarte.blogspot.de
In diesem Monat wurden Werke von drei verschiedenen Fotografen zusammengestellt, um einen einzigartigen Einblick in die Geschichte Berlins zu gewähren. Die spannende Ausstellung mit dem Titel “Wild Wild Berlin” erstreckt sich über drei Jahrzehnte, wobei die Bilder jedes Fotografen eine andere Epoche in der deutschen Hauptstadt repräsentieren. Die Ausstellung ist derzeit bis zum 23. Oktober in der Zwitschermaschine in der Potsdamer Straße zu sehen und kommt gerade rechtzeitig zum Europäischer Monat der Fotografie.
Die Ausstellung umfasst Werke von Miron Zownir, Eva Otaño Ugarte und Sebastian Mayer, und jedes dieser exzentrischen Bilder spiegelt die ganz eigene Beziehung des jeweiligen Künstlers zur Stadt wider. Auch wenn jedes Foto unterschiedliche Gesichter und einige längst verschwundene Orte zeigt, gibt es doch eine Gemeinsamkeit, die sich aus dem Chaos herauskristallisiert. Ein Geflecht aus belebten Straßenaufnahmen, Persönlichkeiten aus der Kunstszene, Ikonen der Popmusik und Subkulturen – die Ausstellung ist eine schillernde Präsentation der unvergesslichsten Momente Berlins.
Miron Zownir. Bild von zwitschermaschine-berlin.de
Die Ausstellung versetzt die Besucher zunächst mit Miron Zownir in die 80er Jahre. Der als “Poet der radikalen Fotografie” bekannte Künstler versuchte in seinen Arbeiten, die Außenseiter der Gesellschaft einzufangen. Im Mittelpunkt jedes Fotos stehen die Subkulturen und inneren Kreise der radikalsten Berliner Jugendgruppen. Die Bildersammlung zeigt den Alltag der Jugend auf beiden Seiten der Mauer und erinnert an das rebellische Verhalten, das aus widersprüchlichen politischen Ansichten und sozialen Normen hervorging.
Mit der in Spanien geborenen Eva Otaño Ugarte geht es weiter in die 1990er Jahre; in dieser spezifischen Epoche liegt der Fokus auf der Underground-Szene der Stadt, einer Gruppe, mit der die Künstlerin bei ihrer Ankunft in Mitte erstmals in Berührung kam. Ugartes Werk, das sich mit dem Fall der Berliner Mauer befasst, ist eine Auseinandersetzung mit diesem historischen Ereignis und dessen Auswirkungen auf die Hausbesetzer-Szene. In einer Zeit, in der die Gentrifizierung aus dem Westen langsam Einzug hielt, bieten die Bilder einen faszinierenden Einblick in Berlins nicht allzu ferne Vergangenheit und deren radikal andere Ästhetik.
Eva Otaño Ugarte. Bild von evaougarte.blogspot.de
Sebastian Mayer. Bild von zwitschermaschine-berlin.de
Obwohl er sich auch mit Malerei, Film und Video beschäftigt, vermittelt Sebastian Mayer mit seinen Anfang der 2000er Jahre entstandenen Fotografien die exemplarischste Vision von “Wildheit“ in dieser Ausstellung. Am besten lässt sich dies als „arm, aber sexy” (deutsch: “arm, aber sexy”), gilt der Künstler oft als Wegbereiter für die Entstehung der heutigen Berliner Ästhetik.
Die Ausstellung bietet einen großartigen Einblick in die Entwicklung und den gesellschaftlichen Wandel Berlins. Auch wenn die Stadt auf den obigen Fotos etwas anders wirkt, strahlen die Personen auf den einzelnen Porträts doch dieselbe Energie aus, die man auch heute noch in der Metropole spürt.
“Wild Wild Berlin” ist bis zum 23. Oktober 2016 in der Berliner Galerie „Zwitschermaschine“ zu sehen