Sieben wenig bekannte Fakten über Miuccia Prada

Miuccia Prada, die ’Designerin der Designer“, ist wohl die berühmteste Modeschöpferin der Modewelt – selbst diejenigen, die sich überhaupt nicht für Mode interessieren, dürften diesen Namen schon einmal gehört haben. Doch nur Kenner wissen, dass Frau Prada – wie die Designerin von Freunden und Mitarbeitern respektvoll genannt wird – einen Doktortitel in Politikwissenschaften besitzt, über einige Erfahrungen als Model verfügt und mit ihrem Geschäftspartner verheiratet ist. Wir haben diese und andere weniger bekannte Fakten über die unbestrittene Königin der italienischen Mode zusammengetragen.

Miuccia Prada Die Galleria Vittorio Emanuele II. Von Museomilano.it

Promotion in Politikwissenschaft

Miuccia Prada wuchs in einer Mailänder Mittelschichtfamilie auf – seit 1913 stellte ihr Großvater Lederwaren her und betrieb ein Geschäft in der Galleria Vittorio Emanuele II. Die Familie war katholisch und konservativ. Miuccia hingegen war eine Rebellin. In den 1960er Jahren, noch als Teenager, war sie die Erste an ihrer Schule, die den subversiven Hippie-Stil für sich entdeckte. Später wurde sie Kommunistin, Feministin und promovierte ganz selbstverständlich in Politikwissenschaft an der Universität Mailand. Leider bleibt das Thema ihrer Dissertation ein Rätsel.

Miuccia Prada Hauptsitz der Kommunistischen Partei Frankreichs. Foto: Christophe Ena

Kommunistische Vergangenheit

“Damals wollte man, wenn man nicht dumm war, die Gesellschaft verändern und gehörte zur Linken”, kommentierte Prada ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei in den 1960er Jahren und fügte hinzu, dass es damals keinen Widerspruch darstellte, wenn eine linke Feministin Modedesignerin wurde. Auch heute noch, als 17. reichste Person Italiens, hält Prada an ihren Ansichten fest. Sie hat bei zahlreichen Gelegenheiten erklärt, dass ihre Produkte vor allem deshalb so viel kosten, weil ihre Mitarbeiter hervorragende Arbeitsbedingungen genießen. Vor einigen Jahren veranstaltete Prada – möglicherweise als Anspielung auf ihre politischen Überzeugungen – eine Modenschau im Hauptquartier der Kommunistischen Partei Frankreichs, einem schlichten Gebäude aus den 1970er Jahren, das von Oscar Niemeyer entworfen wurde.

Miuccia Prada Aus “Der große Gatsby”, 2013

Die Zusammenarbeit mit Baz Luhrmann

Im Jahr 2013 arbeitete Miuccia Prada gemeinsam mit der Kostümdesignerin Catherine Martin an der Gestaltung von Kostümen im Stil der 1920er Jahre für Baz Luhrmanns Der große Gatsby. Wie Prada in einem Interview sagte, interessierte sie sich weniger für Fitzgeralds Roman an sich als vielmehr für die darin geschilderte historische Epoche.

Muiccia Prada Angela Lindvall, Herbst/Winter 1998. Mit freundlicher Genehmigung von Prada

Intellektuelle Perspektive

Nichts, was Miuccia Prada kreiert, ist einfach nur hübsch oder glamourös – es gibt immer einen Clou. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich kontinuierlich mit dem schwer fassbaren Thema der weiblichen Selbstwahrnehmung und reflektiert dabei die Widersprüche und Mehrdeutigkeiten der weiblichen Identität. Prada war in den 1990er Jahren mit ihrer “beautiful ugly”-Ästhetik Vorreiterin der Innovation und brachte Ironie in die Mode. Prada ist zudem eine begeisterte Kunstsammlerin, die – nach ihrer Fondazione zu urteilen – auch eine erstklassige Kuratorin hätte werden können.

Miuccia Prada Mit freundlicher Genehmigung von Prada

 Als Model für das LOVE-Magazin

Im Jahr 2013 stand Miuccia Prada für die Jubiläumsausgabe zum fünfjährigen Bestehen des LOVE-Magazins vor der Kamera. Chefredakteurin Katie Grand wollte gemeinsam mit der Designerin etwas umsetzen, was Prada noch nie zuvor getan hatte – als Model zu posieren. In der daraus entstandenen Serie aus vier Bildern war Miuccia Prada – ganz selbstverständlich – in von ihr selbst entworfenen Kleidern zu sehen.

Miuccia Prada Foto: Bobby Yip

Fabrizio Bertelli

Prada lernte ihren zukünftigen Ehemann 1978 auf einer Ledermesse kennen, kurz nachdem sie das Familienunternehmen übernommen hatte. Die von Bertelli vorgestellten Ledertaschen sahen verdächtig nach ihren eigenen Entwürfen aus. Zunächst war sie verärgert, doch dann erkannte sie die Qualität und bot Bertelli an, Lieferant für ihr Unternehmen zu werden. Neun Jahre später, im Jahr 1987, heirateten die beiden. Heute ist Fabrizio Bertelli ihr Geschäftspartner und Co-CEO der einflussreichen Prada-Gruppe, die unter anderem Mehrheitsbeteiligungen an Azzedine Alaia, Jil Sander und Helmut Lang hält.

Miuccia Prada Foto: Attillio Maranzano

Arbeitete mit Wes Anderson zusammen

Unter den zahlreichen Kooperationen von Prada (sie hat mit Roman Polanski und Francesco Vezzoli sowie – natürlich – mit Rem Koolhaas zusammengearbeitet) verdient Wes Anderson eine besondere Erwähnung. Der Regisseur, der Pradas Vorliebe für die bonbonfarbene Farbpalette teilt, arbeitete nicht nur mit ihr an einer Reihe von Kampagnenvideos zusammen, sondern entwarf auch ein Café für die Fondazione.