
Wael Shawky, Gewinner des Kunstpreises der Schering-Stiftung 2011, präsentiert seine erste institutionelle Übersichtsausstellung im Berliner KW Institute for Contemporary Art – eine hervorragende Gelegenheit, das Gesamtwerk dieses produktiven jungen Künstlers kennenzulernen.
Die Haupthalle des KW wurde mit 150 Tonnen Sand gefüllt – als Teil der Installation rund um das neue Video-Werk „El Araba El Madfuna“, benannt nach einer Stadt, die auf den Ruinen der altägyptischen Stadt Abydos erbaut wurde, wo sich das Osirion und der pharaonische Tempel des Seti befinden. Tief in der Nacht sind gedämpftes Hämmern und Pochen in der ganzen Stadt zu hören, deren Bewohner im Mondlicht illegal in den Ausgrabungsstätten graben, auf der Suche nach archäologischen Funden. Ausschließlich von finanziellen Nöten getrieben und oft ohne großes Wissen über das alte Ägypten und die Pharaonen, werden Zauberer häufig zu Rate gezogen, um vorherzusagen, wo wertvolle Funde zu erwarten sind. Der Film wird von Kindern gespielt, die, den Omen eines Propheten folgend, ein Loch im Boden entdecken, an dem sie zu graben beginnen. Shawky verwebt die Geschichte der Stadt mit einer Kurzgeschichte des Autors Mohamed Mustagab aus dem 20. Jahrhundert; einer surrealen Erzählung über einen heiligen Mann auf seinem Sterbebett, dessen letzte Worte von den Stadtbewohnern mit Spannung erwartet werden.
Shawkys poetische Videoarbeiten basieren auf historischen Ereignissen, die oft aus der Perspektive einer arabischen Stimme erzählt und mit Kinderdarstellern, digitaler Animation und Marionetten inszeniert werden. Seine epische Trilogie „Cabaret Crusades“ (hier teilweise zu sehen sowie auf der dOCUMENTA 13) stellt die Belagerung Jerusalems im Jahr 1099 und die darauf folgenden Machtverschiebungen in der Region nach. Shawky verwebt in seinen Darstellungen Mythen, Fakten und Fiktion und nutzt dabei aufwendige Musik, Texte, Kostüme und Tonpuppen – allesamt vom Künstler handgefertigt und im zweiten Stock des KW zu sehen –, um festgefahrene Geschichtsauffassungen zu hinterfragen und Glaubenssysteme aufzudecken, die im Zentrum der zeitgenössischen Geschichtsschreibung stehen. Angesichts der aktuellen politischen Unruhen im Nahen Osten ist ein Umdenken hinsichtlich der Vergangenheit der Region vielleicht so relevant wie nie zuvor.
Wael Shawky
Al Araba Al Madfuna
Kunstpreis der Ernst-Schering-Stiftung 2011
26. August bis 21. Oktober 2012
www.kw-berlin.de