Atelierbesuch: NAMILIA

Fotos: Lior Neumeister.

In Berlin ist alles laut – die Musik, die Straßen, die Menschen – und nun melden sich auch lokale Modemarken zu Wort. Die Marke Namilia, eine Zusammensetzung aus den Vornamen der beiden Gründer, Nan Li und Emilia Pfohl, hat sich zu einem Aushängeschild der Berliner Szene entwickelt. Namilia entstand während der Studienzeit der beiden mit dem Ziel, eine Geschichte zu erzählen, wie Nan Li mir während unseres Telefonats aus Mexiko erzählt, wo vermutlich das ganze Jahr über die Hitze des flüchtigen Berliner Sommers herrscht.

In den scheinbar endlosen Wintermonaten, in denen harte Techno-Klänge von den kalten Betonwänden widerhallen, hüllt Dunkelheit die Hauptstadt ein. Doch Namilia war schon immer ein Produkt dieses Umfelds, insbesondere des Nachtlebens und der queeren Community. Nan Li spricht leidenschaftlich über seine Faszination für lokale Underground-Bewegungen und die Kraft, Kleidungsstücken eine gesellschaftliche oder politische Botschaft zu verleihen. Wenn man ein Kleidungsstück von Namilia trägt, verkörpert man den Geist der Marke – oft in Form von Abbildungen von Penissen und Vulven. Seit Beginn ihrer Karriere haben Li und Pfohl Genitalien in ihre Designs integriert, wie die ‘Dick Bags’ und ‘Dickinies’ zeigen. Li blickt auf die Anfänge der Marke zurück: ‘Vor acht Jahren war die Darstellung von Genitalien noch nicht so normalisiert wie heute. Wir wollten mit Konzepten von Männlichkeit und Macht spielen.’ Diese aufgeladenen Symbole wurden Teil der Markenidentität, und das Duo experimentierte mit dieser Bildsprache, um sie zu entstigmatisieren.

Im Laufe der Jahre ist Namilia gereift und hat sein Image als reine Berliner Techno-Marke abgelegt. Wer heute Namilias Instagram-Seite besucht, findet dort zahlreiche internationale Prominente, die die Marke tragen. Li beschreibt Namilia aus zwei Perspektiven: Auf den Tanzflächen ist die Marke nicht mehr wegzudenken, wo sie sich in eine Art sexy Arbeitskleidung verwandelt, die dreifach vernäht sein muss, um 24 Stunden auf einer Party zu überstehen. Gleichzeitig spiegeln diese Kleidungsstücke eine Nähe zur Popkultur wider. Wenn Prominente Namilia tragen, hat Nan Li das Gefühl, dass sich der Kreis schließt, da einige Designs gerade von diesen Personen inspiriert wurden.

Fotos: Lior Neumeister.

Im vergangenen Jahr arbeitete Namilia mit Khy, Kylie Jenners Modelinie. Dies stieß auf viel Kritik, doch Li lässt sich davon nicht beirren – für ihn als Designer ist es immer spannend, Neues auszuprobieren und einen neuen, unerwarteten Kontext zu schaffen. ‘Die Kardashians haben mit ihrer Ästhetik und ihrer Körperdarstellung ein ganzes Jahrzehnt geprägt. Man mag über sie denken, wie man will, aber ihr gesellschaftlicher Einfluss ist unbestreitbar’, erklärt er. Seitdem richten immer mehr Augen ihr Augenmerk auf die Kreationen der Berliner Marke.

Ihre Ursprünge in der Underground-Szene nähern sich nun mit großen Schritten dem Mainstream. Für Li ist der Begriff ‘Mainstream’ jedoch nicht unbedingt negativ; im Gegenteil, er freut sich, dass ihre Botschaft nun ein größeres Publikum erreicht. 

Unser Gespräch zeigt, dass Namilia seiner Community einen hohen Stellenwert einräumt. In ihren Modenschauen werden Themen wie Catcalling aufgegriffen, doch ganz im Stil von Namilia möchte Li diese Probleme eher mit Ironie und Humor angehen als mit strenger Zurechtweisung. In diesem Sinne sieht er den jüngsten Wandel hin zum Mainstream als positive Entwicklung.

Während viele Berliner Marken, sobald sie den Durchbruch geschafft haben, nach Paris abwandern, um dort mehr Anerkennung und internationale Beachtung zu erlangen, geht dieses Duo weiterhin seinen eigenen Weg und bleibt der deutschen Hauptstadt treu. Li zeigt sich zuversichtlich. ‘Berlin wird wegen seiner Kultur- und Musikszene geliebt; vielleicht wird die Stadt eines Tages auch dafür bekannt sein, neue Modemarken hervorzubringen.’ Namilia ebnet bereits den Weg für diese Entwicklung.

Fotos: Lior Neumeister.

Kredite

Fotografie: Lior Neumeister.

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